Kleines Haus ganz groß – Was ist ein Tiny House?

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Der Begriff „Tiny House“ bedeutet übersetzt „winziges Haus“ und findet in Deutschland immer mehr Freunde und Liebhaber. Rund um das Wohnen auf kleinem Raum hat sich eine regelrechte Bewegung gebildet, die für ein einfacheres und bewussteres Leben steht. In Deutschland sind die kleinen Häuser gesetzlich nicht vorgesehen, daraus ergeben sich eine Reihe von rechtlichen Hürden, denen nahezu jeder, der diese Wohnform ins Auge fasst, begegnet. In den USA dagegen, gibt es eine klare Definition, die sich vor allem an der Grundfläche orientiert.

Die ersten Tiny Houses entstanden in den 1930er Jahren in Amerika © K.A, stock.adobe.com
Die ersten Tiny Houses entstanden in den 1930er Jahren in Amerika © K.A, stock.adobe.com

Kleine Tiny House Geschichte

Die ersten Tiny Houses entstanden in Amerika in den 1930er Jahren, als die Wirtschaftskrise das Land fest im Griff hatte. Damals wählten viele Amerikaner den minimalistischen Lebensstil, um Geld zu sparen und dennoch im eigenen Heim zu leben. Die Tiny House Bewegung kam – ebenfalls in Amerika – in den 1990er Jahren auf. Als Begründer spielt der Designer Jay Shafer eine Rolle, der im Jahr 1999 sein erstes Tiny House auf Rädern baute. In den Folgejahren investierte Shafer viel Energie, um auch andere Menschen für dieses Leben zu begeistern. Einen weiteren wichtigen Impuls gab die Architektin Sarah Susanka mit ihrem Buch „Not So Big House – A blueprint for the way we really live“, in dem sie das ihrer Ansicht nach perfekte Haus beschreibt, bei dem es weniger auf die Größe als auf die Wohn- und Lebensqualität ankommt.

Knapp 10 Jahre später in der Finanz- und Immobilienkrise 2007 sind das Tiny House und der ideologische Hintergrund auch in Deutschland angekommen. Gründe dafür gibt es viele, etwa der Wunsch Bau- und Betriebskosten zu sparen, eine Gegenbewegung zu unserer Konsumgesellschaft zu bilden oder im Einklang mit der Natur zu leben. Schließlich spielt auch der Wunsch nach persönlicher Freiheit eine wichtige Rolle.

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Definition Tiny House

So unterschiedlich die verschiedenen Tiny House Varianten mittlerweile sind, haben die Varianten doch generell einige charakteristische Gemeinsamkeiten, die insbesondere die Inneneinrichtung betreffen:

  • Effiziente und minimalistische Inneneinrichtung
  • Multifunktionale Möbel und Räume
  • Hochwertige Bauweisen
  • Hohe Raumnutzung ohne Verzicht auf Komfort
  • Für dauerhaftes Wohnen ausgestattet (Küche, Bad, WC, Heizung, Wohn- und Schlafraum)
Die Inneneinrichtung im Tiny House ist effizient, minimalistisch und multifunktional © malp, stock.adobe.com
Die Inneneinrichtung im Tiny House ist effizient, minimalistisch und multifunktional © malp, stock.adobe.com

Hinsichtlich der Gestaltung und äußeren Erscheinung sowie in Bezug auf die Konstruktion gibt es viele verschiedene Möglichkeiten: So zum Beispiel das „Tiny House on Wheels“ (THoW), das auf einem Trailer montiert und damit mobil ist oder das fest mit dem Untergrund verankerte Minihaus in Holzbauweise oder als Massivhaus konstruiert. Weitere Varianten sind Modulhäuser, die bei Bedarf erweitert werden können und Containerhäuser auf Basis von Schiffscontainern, die zum Wohnraum ausgebaut sind.

Anders als in Amerika ist das Tiny House im deutschen Baurecht (noch) nicht verankert © Zerbor, stock.adobe.com
Anders als in Amerika ist das Tiny House im deutschen Baurecht (noch) nicht verankert © Zerbor, stock.adobe.com

Hinsichtlich der rechtlichen Definition wird es bereits schwieriger. Während in Amerika Häuser mit einer Grundfläche von maximal 37 m² als Tiny Houses gelten, gibt es in Deutschland keine Definition des Gesetzgebers. Bundes- und Landesrecht geben jedoch verschiedene Anhaltspunkte:

So gilt jede bauliche Anlage, die fest mit dem Untergrund verankert ist und aus Bauprodukten besteht, als Gebäude (§ 2 der Landesbauordnungen). Dabei muss nicht unbedingt ein Fundament vorhanden sein, es reicht, wenn das Gebäude durch das Eigengewicht auf dem Boden ruht und/ oder nicht dazu gedacht ist, bewegt zu werden. Ein weiteres Kriterium ist der Verwendungszweck, in diesem Fall die Nutzung zum dauerhaften Wohnen. Ob das Gebäude Räder hat oder nicht, spielt dabei keine Rolle, bzw. kommt diese Unterscheidung in der Bauordnung nicht vor. Diese Regelung macht auch ein Tiny House on Wheels schnell zum Gebäude, sofern es zum dauerhaften Wohnen gedacht ist. Es gilt dann als freistehendes Gebäude der Gebäudeklasse 1 (freistehend, Höhe < 7 m, maximal 2 Nutzungseinheiten, Grundfläche < 400 m²), für das eine Genehmigung erforderlich ist.

Das Tiny House als Fahrzeug

Steht das Tiny House auf Rädern auf einem Campingplatz oder auf dem eigenen Grundstück und wird nicht zum Wohnen genutzt, zählt es erst einmal als Fahrzeug. In diesem Fall spielt das Straßenverkehrsrecht mit in die Definition hinein. Bis zu maximalen Abmessungen von 7 bis 9 m × 2,55 m × 4 m (L × B × H) und einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen darf das Haus auf Rädern auf der Straße bewegt werden. Werden diese Maße überschritten, ist eine Sondergenehmigung erforderlich.

Gebäude oder Fahrzeug? Fürs Tiny House auf Rädern liefert das deutsche Recht keine klare Definition © neillockhart, stock.adobe.com
Gebäude oder Fahrzeug? Fürs Tiny House auf Rädern liefert das deutsche Recht keine klare Definition © neillockhart, stock.adobe.com

Tipp: Tiny Houses als Fahrzeug benötigen im Grunde keine weitere Genehmigung in Bezug auf das Baurecht, allerdings kann schon die hausartige Optik dazu führen, dass die Behörde dennoch eine Baugenehmigung fordert.

Mehr zu den rechtlichen Aspekten rund ums Tiny House finden Sie im Artikel „Rechtliches rund ums Tiny House“.

Klein und mitten in der Natur – so sieht der Tiny House Traum vieler Menschen aus © Mat Hayward, stock.adobe.com
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