Der Fertigkeller – oft eine Alternative

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Ein Keller muss sein, das steht für die meisten Bauherren fest. Und die meisten müssen auf die Kosten achten und möchten keine zeitlichen Verzögerungen in Kauf nehmen. Da kann ein Fertigkeller die passende Lösung sein. Alles, was man darüber wissen muss, steht hier.

Vor allem muss gleich darauf hingewiesen werden, dass die Vermutung falsch ist, man wäre nicht flexibel in der Planung. Ein Fertigkeller ist kein Keller von der Stange, den man sich aus einer Auswahl feststehender Elemente zusammenpuzzeln muss. Sondern es wird jeder Keller individuell nach den Vorgaben des Bauherrn geplant.

Die Einzelteile des Fertigkellers werden in der Fabrik produziert und auf der Baustelle zusammengebaut © E. Adler, stock.adobe.com
Die Einzelteile des Fertigkellers werden in der Fabrik produziert und auf der Baustelle zusammengebaut © E. Adler, stock.adobe.com

Ein Fertigkeller ist ein großes Puzzle

Ein Fertigkeller ist auch kein Keller, der komplett in einem Stück angeliefert wird – dafür sind die Straßen zu schmal und das ganze Ding auch zu schwer. Ein Fertigkeller besteht aus Fertigteilen aus Beton, genau in der Fabrik produziert nach der vorliegenden Planung. Der Vorlauf für Planung und Produktion kann sehr unterschiedlich sein, hängt auch von der Auslastung der Hersteller ab. Die Montage eines Fertigkellers auf der Baustelle aber kann in drei bis fünf Tagen erledigt sein.

Die Herstellung der Elemente passiert heute oft durch vom Computer gesteuerte Roboter. Auf diese Weise werden die Maße millimetergenau eingehalten. Selbst das Verdichten des Betons wird vollautomatisch auf sogenannten Rütteltischen erledigt – es entstehen glatte Wände, die das teure und zeitintensive Verputzen überflüssig machen. Auch Elektroinstallationen, Türzargen und anderen werden mit eingebaut. Die Produktion im Werk erlaubt ein Arbeiten unabhängig von allen Witterungsbedingungen, sodass Produktionsverzögerungen wegen Schlechtwetter ausgeschlossen sind.

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Der Aufbau des Fertigkellers geht dann ganz fix, und das ist eigentlich der Hauptvorteil dieser Methode. Ein Teil nach dem anderen wird mit dem Kran vom Tieflader an seinen Platz gehoben und mit Eckwinkeln und Stützen fixiert. Jede Außenwand besteht aus zwei Platten, dazwischen befindet sich ein Hohlraum mit Bewehrungsstahl.

Im nächsten Schritt werden die Deckenelemente auf den Wänden platziert, wobei es sich allerdings nur um die Unterseite der Decke handelt. Denn die Deckenränder werden verschalt, hinzu kommt die Bewehrung. Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt für den Einbau der Fertigtreppe aus Beton. Dann werden noch die Elektroinstallationen miteinander verbunden und kontrolliert. Anschließend werden die Außenwände und auch die Verschalung für die Deckenplatte mit Beton ausgegossen. Abschließend werden die Fugen zwischen den einzelnen Betonteilen abgedichtet, ebenso die Unterkante der Wände zur Bodenplatte hin. Falls vorgesehen, folgt noch die Außendämmung – wie bei einem gemauerten Keller auch.

Schon kommen die Deckenelemente auf die Außenwände © E. Adler, stock.adobe.com
Schon kommen die Deckenelemente auf die Außenwände © E. Adler, stock.adobe.com

Augen auf bei den Kosten!

Ein gewichtiges Argument für einen Fertigkeller sind die Kosten. Das Einsparungspotenzial gegenüber dem herkömmlichen Keller auf bis zu 25 Prozent angegeben. Aber zwingend ist das nicht, es kommt auf den Einzelfall an. Werden die Betonteile in großer Entfernung hergestellt, fallen Transportkosten an, die erheblich sein können. An diese denkt der Nicht-Fachmann in der Regel nicht, dabei können diese Kosten den Vorteil in einen Nachteil verwandelt. Teurer kann es auch werden, wenn ein größerer Kran gebraucht wird, weil die Fahrzeuge nicht bis direkt an die Baugrube fahren können.

Wichtig ist, dass der Kran möglichst nah an die Baugrube fahren kann © schulzfoto, stock.adobe.com
Wichtig ist, dass der Kran möglichst nah an die Baugrube fahren kann © schulzfoto, stock.adobe.com

Eingehen muss in die Kalkulation auch, wer die Bodenplatte herstellt. Wenn es nicht die Baufirma macht, die den Fertigkeller montiert, dann ist es gut möglich, dass diese einen höheren Preis für eine Bodenplatte rechnet, wenn sie nicht auch den Keller baut. Es müssen also unbedingt alle Kosten für Grubenaushub, Bodenplatte und Keller zum Vergleich nebeneinander gestellt werden. Am besten arbeitet man mit konkreten Kostenvoranschlägen.

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Andererseits: Wenn man alle Details berücksichtigt und alle notwendigen Leistungen kalkuliert und bestellt hat, dann entsteht ein Fixpreis. Der kann sich im Verlauf der Baumaßnahme auch nicht mehr ändern. Dass dies längst nicht bei allen Gewerken der Fall ist, haben die meisten Bauherren leidvoll erfahren.

Extra-Tipp: Auch beim Fertigkeller lassen sich die Kosten durch Eigenleistungen verringern. Beim sogenannten Ausbaukeller ist der Bauherr vor allem bei der Außendämmung und bei der Kellertreppe gefordert. Beim Mitbaukeller kann er auch bei der Bodenplatte, den Entwässerungsleitungen und den Kellerfenstern Hand anlegen. Aber Achtung: Dies muss, sowohl was die Kosten als auch den Bauablauf betrifft, genau mit dem Hersteller des Fertigkellers vorab besprochen werden.

Fertigkeller haben auch Nachteile

Die Tatsache, dass auch unter Einfamilienhäusern eben nicht nur Fertigkeller gebaut werden, weist schon darauf hin, dass diese Variante auch Nachteile haben muss. Im Internet werden Fertigkeller weithin bejubelt, doch oft stecken hinter diesen Informationen Hersteller und Fachfirmen. Ein komplettes Bild liefern diese nicht ab. Es gibt Nachteile, die muss man zur Kenntnis nehmen und daraufhin prüfen, inwieweit sie für das konkrete Projekt zutreffen. Und dann kommt man an einer sorgfältigen Abwägung nicht vorbei.

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Einen Nachteil von Fertigkellern zeigt sich, wenn man versucht, einen Nagel in die Wand zu schlagen – das geht nämlich nicht. Was immer befestigt werden soll – wenn der Klebestreifen nicht reicht, muss gedübelt werden. Und das Loch dafür zu bohren, das kann eine mühsame Sache sein.

Ein Nagel in der Wand – das ist bei Fertigbetonteilen eine echte Herausforderung © rdnzl, stock.adobe.com
Ein Nagel in der Wand – das ist bei Fertigbetonteilen eine echte Herausforderung © rdnzl, stock.adobe.com

Wer ein Mal seinen Keller einrichten und dann unverändert lassen möchte, für den fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Wer eine Werkstatt einrichten möchte, gerne auch einmal am Haus herumbastelt, für den könne die Betonwände zum Ärgernis werden. Denn nicht nur Nägel sind ein Problem, auch neue Kabel und Leitungen sind nur mit Aufwand von einem Kellerraum zum nächsten zu verlegen. Steckdosen bekommt man nur auf, nicht in die Wand.

Und das weist auf einen Nachteil auch in der Bauphase hin. Alles muss genauestens durchdacht und geplant werden. Das gilt nicht nur für Fenster und Türen, das gilt auch für die Wanddurchlässe für Kabel und Leitungen, für die Lage von Steckdosen und anderes mehr. Das traut sich nicht jeder zu – mancher muss erst in einem Raum stehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was der richtige Ort für die Steckdose ist.

Zu einem anderen Thema tobt ein Glaubenskrieg. Ist ein Fertigkeller überhaupt dicht, wird gefragt? Die Betonfertigteile sind nicht das Problem, aber die Fugen dazwischen schon – sagen die einen. Diese Fugen kann man genauso abdichten wie die Außenwand eines gemauerten Kellers, sagen die anderen. Man kann es zwar tun, aber manche Firmen machen es eben nicht ordentlich, sagen die Kritiker. Fazit: Wenn man sich für einen Fertigkeller entscheidet, sollte man sich unabhängig über diese Abdichtungen informieren, den Handwerkern auf die Finger schauen und auch nicht vor Fragen zurückschrecken.

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