Keller bauen – Pro und Contra

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Die Niederländer kommen auch alle ohne Keller aus, heißt es gelegentlich. Das Argument ist aber ein wenig schwach auf der Brust: Dort haben viele Häuser wegen des hohen Grundwasserspiegels keinen Keller. Die Bauweise hatte sich durchgesetzt, als es die heutigen Möglichkeiten, einen Keller abzudichten, noch nicht gab. Der Verzicht auf Keller war erzwungen, nicht freiwillig. An der Tradition wird festgehalten.

Unters Haus gehört in der Regel ein Keller. Oder gibt es auch Gründe dagegen? © Gina Sanders, stock.adobe.com
Unters Haus gehört in der Regel ein Keller. Oder gibt es auch Gründe dagegen? © Gina Sanders, stock.adobe.com

Ob Keller oder nicht, auf diese Frage kann keine eindeutige Antwort gegeben werden. Jeder muss dies für seine individuelle Situation abwägen; eine Rolle spielen unter anderem der Bedarf, die finanziellen Möglichkeiten, die örtlichen Verhältnisse. Hier kommt ein Überblick über alle Punkte, die zu bedenken sind.

Eine Frage des Geldes

Oft reduziert sich die Frage, ob ein Keller gebaut werden soll oder nicht, auf den Blick auf das zur Verfügung stehende Budget. Die Frage heißt dann, ob man sich den Keller leisten kann. Keller können natürlich extrem unterschiedlich kosten. Für einen konventionell gemauerten Keller unter einem Einfamilienhaus muss man heute, im Jahre 2021 mit bis zu 70000 Euro rechnen. Wie immer sind nach oben keine Grenzen gesetzt, eine Außentür mit Außentreppe zum Beispiel treibt die Kosten nach oben.

Wer sparen möchte, kann sich für einen Fertigkeller entscheiden, muss aber auch dafür bis zu 40000 Euro ausgeben. Wer allerdings auf einen Keller verzichtet, spart diese Mittel nicht vollständig, denn eine Bodenplatte braucht er auch. Nach heutigen Anforderungen sollte diese gedämmt sein und kostet damit kaum unter 20000 Euro. Diese Zahlen sind allerdings nur grobe Anhaltspunkte – wer mit einem Architekten oder einem Bauträger plant, sollte sich dies für sein konkretes Projekt ausrechnen lassen.

Keine Milchmädchenrechnungen

Aufpassen muss man, dass der Verzicht auf einen Keller nicht zu einer Milchmädchenrechnung wird. Dass man nämlich ohne Keller plant, dafür aber mit mehr Wohnfläche. Das kann leicht passieren, denn Platz für die Haustechnik braucht man auf jeden Fall, zusätzlichen Stauraum wahrscheinlich auch. So können die Einsparungen, die der Verzicht auf den Keller bringt, zügig auf einen kleinen Betrag oder vollständig abschmelzen.

Die Haustechnik benötigt Platz. Sie im Erdgeschoss unterzubringen, ist eine teure Lösung © R.R.Hundt, stock.adobe.com
Die Haustechnik benötigt Platz. Sie im Erdgeschoss unterzubringen, ist eine teure Lösung © R.R.Hundt, stock.adobe.com

Und nicht nur das, die Rechnung kann auch umgekehrt funktionieren. Möchte man unbedingt ein Gästezimmer, einen Hobbyraum oder eine zweite Dusche haben, kann man diese, da nicht für die Dauernutzung vorgesehen, gut im Keller unterbringen. Das verringert den Raumbedarf im oberirdischen Teil des Hauses und kann sogar die Kosten dafür verringern.

Zu bedenken ist noch, dass ein Raum für Haustechnik und die Waschküche, womöglich aber auch noch ein anderer Lagerraum im Erdgeschoss unterzubringen wäre, wenn es keinen Keller gibt.

Zumindest ist es eine merkwürdige Vorstellung, eine Waschküche in einem Ober- oder Dachgeschoss unterzubringen. Das Erdgeschoss ist bei vielen Häusern aber die attraktivste Etage – und ausgerechnet dort soll Platz für Waschmaschinen und Heizungen reserviert werden? Außerdem machen Waschmaschinen, Trockner und Heizungen oft auch Geräusche – möchte man dies womöglich gleich neben dem Wohnzimmer haben?

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Zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, um auf den Kellern verzichten zu können, das funktioniert ohnehin nicht immer. Vor allem in den Ballungsräumen sind die Baugrundstücke oft klein, sodass es oft am notwendigen Platz fehlt. Und es gibt planungsrechtliche Beschränkungen für den Bauherren – oft dürfen nur bestimmte Baufenster genutzt werden oder nur ein festgesetzter Anteil der Grundstücksfläche bebaut werden, zumeist ist auch die Zahl der Geschosse begrenzt. Das sollte man klären, bevor man in vertiefte Planungen einsteigt oder gar definitiv beschließt, lieber zum Beispiel eine zweite Garage statt eines Kellers zu bauen. Auch das ist längst nicht überall erlaubt. Und wenn es doch erlaubt sein sollte – jeder Anbau, jede Garage verringert die Außenflächen. Auch das kann durchaus ins Gewicht fallen.

Was spricht für den Keller?

Gegen den Keller sprechen vor allem die Kosten. Für den Keller spricht vor allem der Platz. Haustechnik zum Beispiel braucht jedes Haus, auch wenn Heizungen heute kleiner ausfallen als früher. Ganz ohne geht es nicht. Und es gibt auch moderne, ökologische Haustechnik, die mehr Platz benötigen. Zum Beispiel wird für eine Pelletheizung ein Brennstofflager benötigt. Auch ein Speicher für Regenwasser, das als Brauchwasser genutzt werden soll, könnte Platz im Keller finden.

Fast jeder hat auch Dinge abzustellen. Lagerflächen werden gebraucht. Getränkekisten und andere Lebensmittelvorräte, Werkzeuge, Koffer und viele andere Dinge, die man nur gelegentlich braucht. Ist es eine Option, all das im Haus unterzubringen. Ob der Dachboden, sofern überhaupt vorhanden, wirklich eine Alternative ist, muss auch jeder für sich entscheiden.

So muss es nicht aussehen im Keller. Aber irgendwo müssen all die Dinge ja unterkommen © Ulrich Thimm, stock.adobe.com
So muss es nicht aussehen im Keller. Aber irgendwo müssen all die Dinge ja unterkommen © Ulrich Thimm, stock.adobe.com

Und dann gibt es noch Hobbys, die Platz benötigen. Fitnessgeräte stellt man ungern ins Wohnzimmer, und ein Proberaum für die Band ist auch im Keller am besten aufgehoben. Das Gleiche gilt für die Werkstatt des Heimwerkers. Wo eigentlich hängt man im Winter die Wäsche auf? Wo wiederum wäre Platz für eine Sauna? Und wenn sich Lebenssituationen und Familienverhältnisse ändern, dann ist es eben doch eine Option, einen Kellerraum in einen Wohnraum umzubauen.

Eine Situation, die nicht jeder Häuslebauer auf dem Schirm hat, ist die, dass es sinnvoll sein kann, im Keller einen Büro- oder Praxisraum einzubauen und diesen beruflich zu nutzen. Je nach Berufstätigkeit und geografischer Lage kann man auf diese Weise Monat für Monat viel Geld für die Anmietung entsprechender Räume einsparen. Dabei kann man die Kosten für die Schaffung des Büroraumes sogar noch steuermindernd gelten machen.

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Warum kein Keller?

Natürlich werden gegen den Keller noch andere Argument als nur die Kosten ins Feld geführt. Ein wenig länger dauern kann der Bau eines Hauses schon – aber die Bauzeit lässt sich mit einem Fertigkeller deutlich verringern. Dies verringert außerdem die Kosten.

Barrierefrei ist ein Keller in der Regel auch nicht. Treppenlifte, mit denen sich dies ändern ließe, sind oft nicht mehr als teure Notlösungen. Allenfalls bei Baugrundstücken am Hang lässt sich dieser Mangel durch einen geschickt geplanten Kellerzugang von außen lösen.

Ein Argument, das stark der individuellen Abwägung unterliegt, ist, dass man eben in den Keller gehen muss, um Dinge aus dem Keller zu holen. Wer eine Flasche Mineralwasser braucht, der holt sie lieber aus dem Kasten neben der Küchentür als aus dem Keller. Gerade für Lebensmittelvorräte kann der Einbau einer Speisekammer eine Alternative sein.

Nicht fehlen darf schließlich der Hinweis darauf, dass ein richtiger Keller kaum den Wohnwert eines Raumes in den anderen Geschossen erreicht. Selbst im Hochkeller sind Fenster eher klein, Lichtschächte verbessern zwar die Helligkeit, nicht aber die Aussicht. Auch in dem Punkt kann eine Hanglage nützlich sein – aber ein Keller, der hangseitig komplett über der Oberfläche ist, ist eigentlich kein Keller mehr. Und gebaut werden muss er auch.

Wer keinen Keller haben möchte, der braucht sich von irgendwelchen bautechnischen Einwänden nicht weiter beeindrucken lassen. Man kann ein Wohnhaus auch einfach auf eine Bodenplatte stellen. Dämmung, Versorgungsleitungen, Kanalisation – für alles gibt es technische Lösungen. Die Bautechnik spricht aber auch nicht für einen Verzicht auf einen Keller. Man kann jeden Keller sicher abdichten und vor Hochwasser schützen.

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Gegen einen Keller sprechen kann aber der Untergrund. Baut man in einer felsigen Gegend, etwa im Gebirge, ist nicht auszuschließen, dass massives Gestein die Baugrube zu einer kostspieligen Angelegenheit macht. Im Gebirge muss also zunächst eine Baugrunduntersuchung her, und dann eine belastbare Schätzung, was das Herstellen der Baugrube kosten wird. Dass allein die Baugrunduntersuchung 1000 Euro kosten kann, darf dabei kein Argument sein.

Ein Keller verlangt eine Baugrube. Finden sich dort große Felsen, kann es teuer werden © schulzfoto, stock.adobe.com
Ein Keller verlangt eine Baugrube. Finden sich dort große Felsen, kann es teuer werden © schulzfoto, stock.adobe.com

Langfristig denken

Sosehr die finanziellen Lasten beim Bau eines Hauses auch drücken mögen, so sollte man doch nicht darauf verzichten, bei der Frage eines Kellers langfristig zu denken. Denn der Bedarf kann sich ändern. Braucht man womöglich zusätzlichen Wohnraum, weil die Zahl der Kinder wächst, oder weil man pflegebedürftige Eltern im Haus mit unterbringen möchte? Bietet es sich womöglich eines Tages an, eine Einliegerwohnung auszubauen und zu vermieten?

Und auch diese Überlegung darf nicht ausgeblendet werden: Kann es nicht sein, dass das Haus eines Tages verkauft werden soll oder muss? In dem Fall nämlich ist der Wiederverkaufswert deutlich höher. Denn die meisten Kaufinteressenten möchten, und das aus vielen guten Gründen, schon einen Keller haben.

Zu bedenken ist bei der Entscheidung über den Keller auch, dass diese nicht später korrigiert werden kann. Sind die finanziellen Möglichkeiten knapp, kann man womöglich den Ausbau des Dachgeschosses oder den Anbau für die Garage noch für eine Weile verschieben. Womöglich ist es auch eine Überlegung, dies in Eigenleistung dann nach und nach noch zu machen. Der nachträgliche Einbau eines Kellers dagegen ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit.

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