Ist ein Kaminofen im Niedrigenergiehaus sinnvoll?

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Neubauten oder energetisch sanierte Gebäude benötigen nur eine geringe Menge an Heizenergie, damit dort wohnliche Temperaturen herrschen. Niedrigenergiehäuser zeichnen sich demnach durch eine hohe Energieeffizienz aus. Doch wie verträgt sich dieses Konzept mit einem Kaminofen und ist eine Holzfeuerung bei niedrigem Energiebedarf überhaupt sinnvoll? Diese und andere Fragen beantworten wir hier für Sie.

Passivhäuser sind extrem gedämmt und kommen ohne zusätzliche Heizungsanlage aus © schulzfoto, stock.adobe.com
Lohnt sich ein Kaminofen im Niedrigenergiehaus? © schulzfoto, stock.adobe.com

Was zeichnet ein Niedrigenergiehaus aus?

Niedrigenergiehäuser werden durch einen besonders niedrigen Wärmeenergiebedarf charakterisiert. Der Bedarf an Wärmeenergie wird auf unterschiedliche Weise gedrosselt. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört eine effektive Wärmedämmung. Neben Wänden, Decken oder Böden kommen in diesen Häusern aus mehrfach verglasten Türen und Fenster zum Einsatz. Das Ziel ist es, so wenig wie möglich Energie über die Gebäudehülle zu verlieren.

Um die Fenster nicht unnötig zu öffnen, verfügen Niedrigenergiehäuser zusätzlich über ausgeklügelte Lüftungssysteme wie eine dezentrale Raumluftsteuerung. So werden z. B. Fenster und Türen über Sensoren gesteuert, die mit dem Heizungssystem verbunden sind. Werden Fenster geöffnet, drosselt das System z. B. dann automatisch die Heizung. Viele dieser Lüftungssysteme arbeiten zusätzlich mit Wärmerückgewinnung. Hierfür wird die Wärme aus der verbrauchten Luft mit einem Wärmetauscher aufgefangen und in Form von erwärmter Luft wieder ins Gebäude geblasen.

Um die Wärmeenergie optimal zu nutzen, verwenden Niedrigenergiehäuser zusätzlich Flächenheizungen. Sie benötigen nur geringe Vorlauftemperaturen, wodurch nochmals weniger Heizenergie erforderlich ist.

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Wie sparsam ein Niedrigenergiehaus ist, verdeutlicht ein einfacher Vergleich. Während in einem nach dem Standard der 1980er-Jahre gebauten Haus der erforderliche Heizwert pro Quadratmeter Wohnfläche bei rund 160 Kilowattstunden liegt, beträgt er beim Niedrigenergiehaus knapp 100, bei einem Energiesparhaus nach dem KfW 60-Standard nur 60 und in einem Passivhaus sogar nur 15 Kilowattstunden.

All diese Faktoren müssen bei der Dimensionierung des Kaminofens für das Niedrigenergiehaus berücksichtigt werden.

Was muss ich bezüglich der Lüftungsanlage beachten?

Wer in einem KfW-40- oder Niedrigenergiehaus lebt, wird in der Regel eine Lüftungsanlage im Einsatz haben, welche die Frischluftversorgung im Haus auch bei geschlossenen Fenstern und Türen gewährleistet.

Doch hier kommen herkömmliche Kaminöfen an ihre Grenzen, denn sie benötigen den Sauerstoff aus der Umgebungsluft, also der Luft am Aufstellort. Würden Sie einen Standard-Kaminofen in einem Niedrigenergiehaus betreiben, könnte das Feuer aufgrund von Sauerstoffmangel nicht brennen.

Die Kaminofenhersteller haben dafür aber eine Lösung geschaffen: den raumluftunabhängigen Kaminofen, kurz RLU Kaminofen. Er verfügt nicht nur über einen Abgasanschluss über ein Rauchrohr zum Schornstein, sondern zusätzlich über einen Anschluss für die Frischluftzufuhr. Das kann u. a. mit einem Luft-Abgas-System, z. B. mit einem Leichtbauschornstein realisiert werden. Damit verbunden sind auch hohe Anforderungen an die Dichtigkeit des gesamten Systems. Außerdem muss die Kaminofentür selbstschließend sein.

Auch eine Mehrfachbelegung am Schornstein ist im Niedrigenergiehaus möglich. Allerdings müssen hier für jede Holzheizung ausreichend Zuluft- und Abluftmengen realisierbar sein. Jeder Kaminofen benötigt dabei seine eigene Frischluftzufuhr.

Wenn Sie also überlegen, ob Sie im Energiesparhaus einen Kaminofen nutzen wollen, sollten Sie ein entsprechendes Lüftungssystem einbauen oder bereits installiert haben. In den sehr gut isolierten, energiesparenden Gebäuden ist ein raumluftunabhängiger Betrieb des Kaminofens sogar vorgeschrieben. Er muss zudem über eine Zulassung für den raumluftunabhängigen Betrieb vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) verfügen.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Holzfeuerung auch im Passivhaus Sinn ergeben © jgolby, stock.adobe.com
Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Holzfeuerung auch im Passivhaus Sinn ergeben © jgolby, stock.adobe.com

Achtung Leistungsüberschuss

Wird ein Kaminfeuer entfacht, gibt es immer so viel Wärme ab, wie Holzscheite aufgelegt werden. Es gibt nach dem Anfeuern keine Möglichkeit mehr, die Wärme wie bei einer Zentralheizung auf Knopfdruck herunterzuregeln, außer, Sie löschen das Feuer.

In einem Gebäude, das im Vergleich zur Standardisolierung aus den 1990er- oder 1980er-Jahren nur einen Bruchteil der Wärmenergie braucht, bedeutet das: Dimensionieren Sie den Kaminofen sehr klein.

Eine einfache Faustregel lautet, dass Sie lediglich 40 bis 80 Watt Wärmeleistung pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche pro Stunde benötigen. Wollen Sie 100 Quadratmeter beheizen, sind das vier bis acht Kilowatt pro Stunde. Das entspricht maximal einem oder zwei Kilogramm Holz pro Stunde.

Soll der Kaminofen lediglich das Wohnzimmer erwärmen, reduziert sich der Wärmebedarf dann drastisch. Für ein 30 Quadratmeter großes Wohnzimmer würden Sie dann lediglich 1,2 bis 2,4 Kilowatt pro Stunde benötigen. Das ist weniger als ein halbes bzw. knapp ein Kilogramm Holz.

Was daraus folgt:

  • Ein Kaminofen zur Einzelraumfeuerung wäre in einem Niedrigenergiehaus und vor allem in einem KfW-Effizienzhaus oder Passivhaus in der Regel immer überdimensioniert. Sie würden ständig Gefahr laufen, dass Ihre Räume überhitzen.
  • Für Niedrigenergiehäuser kommt in der Regel nur ein wasserführender Kaminofen infrage, der die Zentralheizung unterstützt oder die umgrenzenden Räume über die Lüftungssteuerung mit Warmluft versorgt.
  • Alternativ würde sich ein Grund- oder Kachelofen lohnen, da diese Öfen die Wärme über einen langen Zeitraum gleichmäßig abgeben.
  • Auch ein Pelletofen mit Wasserführung wäre gut geeignet, da die Wärmesteuerung aufgrund des granularen Brennstoffs in viel feineren Abstufungen möglich ist als mit Holzscheiten.

TIPP

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Wenn Sie sich für einen wasserführenden Kaminofen oder Pelletofen im Niedrigenergiehaus entscheiden, sollte der Ofen mit einer Fußbodenheizung oder einer anderen Flächenheizung und Solarthermie oder einer Gas-Brennwertheizung kombiniert werden. Wichtig wäre außerdem ein Pufferspeicher, der überschüssige Wärme aus der Holzfeuerung speichern kann. So nutzen Sie die Wärme aus der Holzfeuerung optimal.

Förderung nur für wasserführende Pelletöfen oder Holzvergaser möglich

Wenn Sie vorhaben, ein KfW-Effizienzhaus oder Passivhaus mit Holz zu beheizen, können Sie staatliche Förderung nutzen. Das gilt auch für die energetische Sanierung zum Effizienzhausstandard. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist ein Zuschuss vom BAFA für Einzelmaßnahmen oder ein bezuschusster Kredit über die KfW möglich.

Allerdings sind nur wasserführende Pelletöfen sowie Biomasseheizungen wie Holzvergaser förderfähig. Doch bei hohen Tilgungszuschüssen über die KfW bei Neubauten sowie hohe Zuschüsse von bis zu 55 Prozent bei einer Heizungssanierung im Bestand kann sich die Umrüstung auf Pellettechnik lohnen.

Fazit: Kaminofen im Niedrigenergiehaus ergibt unter bestimmten Voraussetzungen Sinn

Wenn ein Kaminofen im Energiesparhaus eingesetzt wird, lohnt er sich in der Regel nur als wasserführende Variante. Als Einzelraumfeuerungsanlage ist ein Kaminofen im Niedrigenergiehaus eher nicht empfehlenswert. Wer mit Holz im sehr gut gedämmten Wohnhaus heizen möchte, setzt am besten auf Pellettechnik. Sie ist sehr gut steuerbar und kann problemlos mit Solarthermie oder Wärmepumpen kombiniert werden. Zudem ist Förderung über die BEG möglich.

Förderung von Holzheizungen als Hybridsysteme ist nur mit wasserführendem Pelletofen möglich © delkoo, stock.adobe.com
Wasserführende Pelletheizungen werden weiterhin staatlich gefördert © delkoo, stock.adobe.com
Eine Pelletheizung ist mehr als nur ein Heizkessel © Studio Harmony, stock.adobe.com
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