Brandschutz im Altbau: Das gilt vor und während einer Sanierung

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Nachrichten über Brände in Altbauten und denkmalgeschützten Gebäuden sind keine Seltenheit. Architektonisch wertvolle Gebäude, häufig in historischen Altstädten gelegen, brennen bei einem Feuer oftmals komplett aus. Jahrhundertealte Baukunst ist in kürzester Zeit unwiderruflich zerstört.

Doch woran liegt es, dass Altbauten besonders brandgefährdet sind und wie lässt sich ein solcher Brand vorbeugend verhindern oder zumindest eindämmen?

Der folgende Überblick klärt die wichtigsten Fragen zu Brandgefahren im Altbau und zeigt mögliche Brandschutzvorkehrungen, zum Beispiel im Rahmen einer Altbausanierung, auf.

Altbauten sind begehrt und teuer. Beim Brandschutz sind sie oft allerdings nicht auf dem aktuellen Stand © ASK-Fotografie, stock.adobe.com
Altbauten sind begehrt und teuer. Beim Brandschutz sind sie oft allerdings nicht auf dem aktuellen Stand © ASK-Fotografie, stock.adobe.com

Unvergessen sind die Fernsehbilder, als ein Großbrand am 15. und 16. April große Teile der Kathedrale Notre-Dame in Paris zerstörte. Nur dank des stundelangen Einsatzes der Feuerwehr konnte verhindert werden, dass das UNESCO-Weltkulturerbe vollständig niederbrennt. Trotzdem belaufen sich die Kosten des aufwendigen Wiederaufbaus auf hunderte von Millionen Euro. 

Dass sich der Brand, dessen Ursache bis heute nicht geklärt ist, so schnell ausbreiten konnte, liegt vor allem an den verwendeten Baustoffen des zwischen 1163 und 1345 errichteten Bauwerks. So bestand zum Beispiel der Dachstuhl aus brennbarem Holz. Insgesamt 1300 Eichenbalken des Dachstuhls sind brennend eingestürzt. Auch andere verwendete Materialien entsprechend natürlich nicht den Brandschutzvorschriften an einen heutigen Neubau. Kritisiert wurde zudem das Brandschutzkonzept mit nur einem Sicherheitsbeauftragten.

Bestandschutz versus Brandschutz

Das Beispiel von Notre-Dame ist jedoch nur ein besonders prominentes unter vielen. Auch in Deutschland finden sich zahlreiche Altbauten und denkmalgeschützte Gebäude, die von Bränden stark geschädigt oder komplett zerstört wurden.

Die rechtlichen Vorschriften zum baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutz, die die Landesbauordnungen heute für Neubauten vorgeben, gelten für diese Bauwerke nicht. Denn sie unterliegen dem baurechtlichen Bestandschutz. Deshalb greifen hier in der Regel nur die gesetzlichen Vorgaben, die während des Baus bzw. zum Zeitpunkt der Fertigstellung vorgeschrieben waren.

Die Standards der Bauwerke lassen sich jedoch überhaupt nicht mit den heutigen Brandschutzvorgaben vergleichen. Das liegt zum einen daran, dass das Wissen und die Fachkompetenz über effektive Brandschutzmaßnahmen zum damaligen Zeitpunkt in dieser Form nicht vorhanden waren. Zum anderen werden im Bauwesen heute robustere und feuerwiderstandsfähigere Baustoffe eingesetzt, die im Brandfall einem Feuer länger Stand halten können und so der Feuerwehr mehr Zeit geben, den Brand zu löschen, bevor es zu schwerwiegenden Schäden kommt.

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Charme des Altbaus bremst Sanierungen

Natürlich können sich die Eigentümer eines Altbaus oder denkmalgeschützten Gebäudes aus Eigenverantwortung um eine Verbesserung des Brandschutzes kümmern. Dem stehen jedoch häufig architektonische und optische Gründe entgegen. So verbinden viele den Charme des Altbaus gerade mit einer filigran gestalteten Holzdecke, alten Fenstern, rustikalen Dielenböden oder anderen Stilelementen, die die damalige Zeit geprägt haben.

Die starken Wertsteigerungen von Altbauten und besonders denkmalgeschützten Gebäude in den vergangenen Jahren, lassen sich gerade darauf zurückführen, dass der Bau in seiner damaligen Form mit den damals zur Verfügung stehenden Baumaterialien erhalten bleibt.

Tipp: Alte Holzfenster sind nicht nur ein Brandrisiko, sondern auch für einen guten Wärmeschutz nicht zu empfehlen

Massive Stahlkonstruktionen, dicke Brandschutzwände oder zusätzliche Fluchtwege lassen sich bei der oftmals eng umliegenden Bebauung nicht nur schwer umsetzen, sondern können auch dem Erhalt des Erscheinungsbildes entgegenstehen. Nicht nur den Eigentümer, sondern auch den Stadtplanern ist häufig daran gelegen, das traditionelle Stadtbild zu erhalten.

Altbausanierung: Vorzüge des Bestandsschutzes entfallen

Anders sieht die Sachlage jedoch aus, wenn es zu einer Altbausanierung kommt. Denn sobald es zu einem größeren Umbau, einer Sanierung oder einer Umnutzung des Gebäudes (etwa vom Wohn- zum Geschäftsgebäude) kommt, gelten die besonderen gesetzlichen Ausnahmen für den Bestandsschutz nicht mehr. Auch Altbauten und denkmalgeschützte Gebäude, die eine marode Bausubstanz aufweisen und einsturzgefährdet sind, verlieren den Bestandschutz.

Handwerker wählen Sie am besten nach Empfehlung oder Referenzen aus © Stefan Körber, stock.adobe.com
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Kommt es deshalb zu Baumaßnahmen am Gebäude, muss auch der bestehende Brandschutz betrachtet und ein zukunftsfähiges Konzept umgesetzt werden.

Bei der Auswahl der Baustoffe sollte das Brandverhalten gleich mitbetrachtet werden. In der Brandschutznorm DIN 4102 und der europäischen Richtlinie EN 13501 sind sowohl Baustoffe nach ihrem Brandverhalten als auch Bauteile nach ihrem Feuerwiderstand klassifiziert.

Baustoffe der Klasse A1 und A2 zu empfehlen

Besonders empfehlenswert sind hier die Baustoffe der höchsten Kategorie A1. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht brennbar sind, keinen Rauch entwickeln und nicht brennend abtropfen. Beton, Steinwolle oder auch Ziegel sind alles Materialien, auf die Bauherren guten Gewissens zurückgreifen können, um hohen Brandschutzstandards gerecht zu werden.

Ebenfalls gut geeignet sind die Baustoffe der Klasse A2. Sie sind ebenso nicht brennbar, zeigen keine Rauchentwicklung und tropfen auch nicht brennend ab. Sie unterscheiden sich von den Produkten der Klasse A1 nur in dem Punkt, dass sie brennbare Stoffe beinhalten. Gipsfaserplatten sind dieser Klasse unter anderem zuzuordnen.

Die Auswahl der Produkte kann nicht nur den Brandschutz begünstigen, sondern weitere Vorteile für Bauherren bieten. So weisen viele der Produkte eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit auf und bieten sich wie z.B. Mineralwolle bei der Sanierung als effektive Dämmstoffe an.

Bei Sanierungsmaßnahmen im Altbau bietet es sich an, alte Fenster auszutauschen. Sie bieten oft einen unzureichenden Brandschutz und einen schwachen Wärmeschutz © alisseja, stock.adobe.com
Bei Sanierungsmaßnahmen im Altbau bietet es sich an, alte Fenster auszutauschen. Sie bieten oft einen unzureichenden Brandschutz und einen schwachen Wärmeschutz © alisseja, stock.adobe.com

Holzfenster austauschen, Rauchmelder installieren

Gerade in vielen Altbauten wird es im Dachgeschoss in den Sommermonaten sehr warm und in den Wintermonaten verhältnismäßig kalt, weil die Dämmeigenschaften der Gebäude häufig nur sehr gering sind.

Dies wird zum Beispiel durch alte Holzfenster begünstigt, die teilweise dazu noch einfach verglast sind. Sie lassen nicht nur Wärme und Kälte fast ungehindert ins Haus eindringen, sondern sind auch aus der Perspektive des Brandschutzes nicht robust. Lackierte Holzfenster können sogar bei einem Feuer als Brandbeschleuniger wirken. Hier empfiehlt sich im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen der Austausch durch moderne dreifach verglaste Kunststoff- oder Aluminiumfenster.

Auch in Hinblick auf Akustik und Lärmschutz bieten die genannten Bauprodukte klare Vorteile. Da sich viele Altbauten und denkmalgeschützte Gebäude im belebten Kern der Innenstädte befinden, kann dies durchaus ein wichtiger Faktor sein, um mehr Ruhe in sein Haus zu bringen und zugleich die Nachbarn vor selbst erzeugter Lärmbelästigung zu schützen.

Zum Teil des vorbeugenden Brandschutzes gehört im Altbau natürlich auch die Installation von Rauchmeldern in mindestens allen Schlafzimmern und den an Aufenthaltsräume angeschlossenen Fluren als Rettungswege. Idealerweise werden die Rauchmelder sogar in allen Aufenthaltsräumen abgesehen von Küche und Bad installiert.

Hinweis: In Sachsen laufen die Übergangsfristen für die Nachrüstung von Brandmeldern in Bestandsgebäuden erst Ende 2023 aus.

Hausflure sind im Brandfall wichtige Rettungswege. Sie können bei Rauchentwicklung aber auch selbst zur Gefahr werden © herl, stock.adobe.com
Hausflure sind im Brandfall wichtige Rettungswege. Sie können bei Rauchentwicklung aber auch selbst zur Gefahr werden © herl, stock.adobe.com

Rettungswege und Elektroinstallationen prüfen

Besonders herausfordernd und oftmals kaum umsetzbar ist bei einer Altbausanierung hingegen die Erweiterung der Rettungswege. Aufgrund der oftmals engen Stadtbebauung ist es in vielen Fällen nicht möglich durch weitere Anbauten zusätzliche Rettungswege zu schaffen. Umso wichtiger ist es jedoch, den bestehen Rettungsweg auf den aktuellen Stand zu bringen.

Alte Holztreppen können durch Konstruktionen aus nicht brennbaren Baustoffen ersetzt werden. Ein wichtiges Thema ist zudem ein effektiver Abzug von Rauch. Bleibt der Rauch im Rettungsweg stehen und kann nicht abziehen, kann er bei einem Brand zu einer potenziellen Gefahr werden und Rauchvergiftungen verursachen. Auch wird der Zugang von Feuerwehr und Rettungsdienst zum Gebäude erschwert.

Die Prüfung der bestehenden Elektroinstallationen sollte bei Sanierungsmaßnahmen ebenfalls nicht vernachlässigt werden. Denn ein Kabelbrand war schon bei vielen Altbauten die Ursache für ein sich ausbreitendes Feuer. Moderne Leitungen mit entsprechenden Schutzklassen sollten im Zuge der Sanierung installiert werden.

Nicht nur in diesem Punkt empfiehlt es sich, bei den Sanierungsmaßnahmen Fachhandwerker hinzuzuziehen. Sie können die Eigentümer beraten, wie sich ein zeitgemäßer Brandschutz mit einer möglichst dezenten optischen Gestaltung vereinbaren lässt, um den alten Charme des Gebäudes zu bewahren.

Bei einem Feuer im Dach können nicht brennbare Baustoffe wie Ziegel, aber auch normal entflammbare Stoffe wie Holz betroffen sein © Animaflora PicsStock, stock.adobe.com
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