Schutzart und Schutzklasse – welche Unterschiede gibt es?

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Beim Kauf und bei der Installation von elektrischen Geräten und auch von Leuchten werden Sie gelegentlich auf die Begriffe Schutzart und Schutzklasse stoßen. Was bedeuten diese Kennzeichnungen und wofür ist die Einordnung bei der Entscheidung für ein bestimmtes Produkt wichtig? Erfahren Sie in diesem Beitrag alles Wichtige zu diesem Thema.

Die IP-Schutzarten in der Elektroinstallation
Die IP-Schutzarten in der Elektroinstallation

Wie unterscheiden sich Schutzart und Schutzklasse?

Beide Klassifizierungen geben an, inwieweit elektrische Betriebsmittel bestimmten Sicherheitsanforderungen genügen. Die Bezeichnung für den Schutzgrad bzw. die Schutzart kennzeichnet dabei konstruktive Maßnahmen am Gerät und dessen Gehäuse, die vor dem Eindringen von Fremdkörpern, Wasser oder vor dem Berühren stromführender Teile schützen. Die Schutzklasse beschreibt elektrotechnische Maßnahmen, welche Personen vor berührungsgefährlichen Spannungen bewahren, falls es bei einem Ausfall der konstruktiven Maßnahmen (beispielsweise bei einem Gehäuse- oder Leitungsschaden) zum Kontakt mit spannungsführenden Teilen kommt.

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Was bedeutet der Begriff Schutzart?

Elektrische Betriebsmittel wie Leuchten, Geräte und Bestandteile einer Installation (Schalter, Steckdosen, Verbindungsteile, Kabel und Leitungen) funktionieren ohne besondere Schutzmaßnahmen in einer trockenen, staubfreien Umgebung reibungslos. Kommen jedoch Einflüsse wie:

  • Feuchtigkeit
  • mögliche Berührungen durch Personen, Tiere oder Gegenstände
  • Staub oder
  • Chemikalien hinzu,

können diese zu einem Ausfall der Geräte oder zu gefährlichen Stromunfällen mit gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden führen. Im Extremfall werden Kettenreaktionen wie Brände oder Explosionen ausgelöst, wenn die entsprechenden Bedingungen dafür vorliegen.

Je nach Funktionsweise und Einsatzort der Betriebsmittel ist daher ein optimaler Schutz gegen das unerwünschte Eindringen von Fremdkörpern und Wasser sowie gegen mechanische Beanspruchungen nötig. Um eine standardisierte Vorgabe für die Ausführung der Produkte und Installationsmaßnahmen zu haben, wurde ein international gültiger Schlüssel für die Schutzarten (International Protection Codes) entwickelt. Sicher haben Sie schon Bezeichnungen wie „IP44“ oder „IP68“ gesehen. Diese IP-Schutzgrade geben an, inwieweit das entsprechende elektrische Betriebsmittel gegen äußere Einflüsse geschützt ist.

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Darüber hinaus gibt es die IK-Schutzart bzw. den IK-Stoßfestigkeitsgrad. Der Code dieser Klassifizierung gibt an, welcher Schutz vor äußerer mechanischer Beanspruchung (Stoßbeanspruchung) gewährleistet ist.

Für Installationen in Feuchträumen wie dem Badezimmer müssen elektrische Betriebsmittel wie Leuchten oder Steckdosen eine bestimmte Schutzart und auch eine bestimmte Schutzklasse aufweisen © Elena, stock.adobe.com
Für Installationen in Feuchträumen wie dem Badezimmer müssen elektrische Betriebsmittel wie Leuchten oder Steckdosen eine bestimmte Schutzart und auch eine bestimmte Schutzklasse aufweisen © Elena, stock.adobe.com

Was bedeuten die Ziffern beim IP-Schutzgrad?

Der IP-Code besteht aus mehreren Buchstaben und Ziffern, deren Bedeutung in den nationalen und internationalen Normen DIN EN 60529 oder ISO 20653 (für Straßenfahrzeuge) festgelegt wurde. Mögliche Kombinationen bewegen sich in einem Bereich von IP00 bis IP69 bzw. IP6K9K. Die erste Ziffer steht für den Schutzgrad des Gehäuses gegen Berührung sowie für den Schutz gegen das Eindringen von Fremdkörpern. Die zweite Ziffer gibt den Schutzgrad gegenüber dem Eindringen von Feuchtigkeit bzw. Wasser an. Weitere Stellen im Code können zusätzliche Informationen über den Zugang zu gefährlichen spannungsführenden Bauteilen oder die Stoßfestigkeit des Gehäuses enthalten.

Tabelle für die erste Ziffer im IP-Code:

Erste ZifferBedeutung
Gemäß ISO 20653Gemäß DIN EN 60529Schutz gegen BerührungSchutz gegen Fremdkörper
00Kein SchutzKein Schutz
11Geschützt vor großflächigen Berührungen (z.B. Handrücken)Geschützt vor großen festen Fremdkörpern (Durchmesser ≥ 50 mm)
22Geschützt gegen Berührungen mit dem FingerGeschützt vor mittelgroßen festen Fremdkörpern (Durchmesser ≥ 12 mm)
33Geschützt vor Berührung mit Werkzeugen und Drähten (Durchmesser ≥ 2,5 mm)Geschützt vor kleinen festen Fremdkörpern (Durchmesser ≥ 2,5 mm)
44Geschützt vor Berührung mit Werkzeugen und Drähten (Durchmesser ≥ 1 mm)Geschützt vor kornförmigen festen Fremdkörpern (Durchmesser ≥ 1 mm)
5K5Vollständiger BerührungsschutzGeschützt vor Staub in schädigender Menge (staubgeschützt)
6K6Vollständiger BerührungsschutzVollständiger Schutz vor Staubeintritt (staubdicht)

Tipp: Wie Sie sehen, verwenden beide Normen die gleichen Ziffern für die jeweilige Schutzart, nur bei der ISO 20653 enthält der Code in den höheren Graden noch den Buchstaben „K“. Zur Einordnung genügt es also, sich einfach nur die Ziffern zu merken. Ein Gerät mit Schutzgrad IP65 (nach DIN EN 60529) würde daher dem Standard mit einer Bezeichnung IP6K5 (nach ISO 20653) ebenso entsprechen.

Kinderhände sind viel kleiner als die Hände von Erwachsenen – daher gelten für die Konstruktion von Spielzeug und elektrischen Betriebsmitteln für alltägliche Anwendungen besonders strenge Vorschriften zum Berührungsschutz © sonyachny, stock.adobe.com
Kinderhände sind viel kleiner als die Hände von Erwachsenen – daher gelten für die Konstruktion von Spielzeug und elektrischen Betriebsmitteln für alltägliche Anwendungen besonders strenge Vorschriften zum Berührungsschutz © sonyachny, stock.adobe.com

Tabelle für die zweite Ziffer im IP-Code (Schutz gegen Wasser):

Zweite ZifferBedeutung
Gemäß ISO 20653Gemäß DIN EN 60529Schutz gegen Wasser
00Kein Schutz
11Geschützt vor senkrecht fallendem Tropfwasser
22Geschützt vor schräg (bis 15°) fallendem Tropfwasser
33Geschützt vor Sprühwasser bis 60° gegen die Senkrechte
44Geschützt vor allseitigem Spritzwasser
4K Geschützt vor allseitigem Spritzwasser mit erhöhtem Druck
55Geschützt vor Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel
66Geschützt vor starkem Strahlwasser
6K Geschützt vor starkem Strahlwasser unter erhöhtem Druck
77Geschützt vor zeitweiligem Untertauchen
88Geschützt vor andauerndem Untertauchen
 9Geschützt vor Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung in der Landwirtschaft
9K Geschützt vor Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung für Straßenfahrzeuge

Hinweis: Bei der zweiten Ziffer im IP-Code gibt es auch inhaltliche Unterschiede, wenn sie mit dem Buchstaben „K“ ergänzt wurde.

Leuchten und elektrische Anlagen im Außenbereich sollten mindestens vor allseitigem Spritzwasser geschützt sein, da Regen bei Wind aus allen Richtungen kommen kann © Romolo Tavani, stock.adobe.com
Leuchten und elektrische Anlagen im Außenbereich sollten mindestens vor allseitigem Spritzwasser geschützt sein, da Regen bei Wind aus allen Richtungen kommen kann © Romolo Tavani, stock.adobe.com

Beispiele für häufig verwendete IP-Schutzarten

Folgende IP-Schutzarten kommen unter anderem bei verschiedenen elektrischen Betriebsmitteln vor:

  • IP20: Berührungsschutz vor festen Fremdkörpern mit einer Größe über 12 mm (spannungsführende Bauteile können von Erwachsenen nicht mit dem Finger berührt werden). Kein Schutz vor Wasser.
  • IP44: Schutz vor dem Eindringen von festen Fremdkörpern mit einem Durchmesser größer 1 mm und Schutz vor Spritzwasser aus einem beliebigen Winkel.
  • IP55: vollständiger Berührungsschutz (nicht gegen Staub) und Schutz vor Strahlwasser.
  • IP65: vollständiger Berührungsschutz und Staubschutz sowie Schutz vor Strahlwasser aus beliebiger Richtung.
  • IP68: vollständiger Berührungsschutz und Staubschutz. Schutz gegen dauerhaftes Untertauchen unter Wasser.

Falls bei der IP-Schutzart eine der beiden Ziffern nicht angegeben werden soll oder muss, wird anstelle der Ziffern ein „X“ gesetzt. Solche Kombinationen finden Sie in Installationsvorschriften für Sanitärräume oder Bäder, wo die IP-Codes für Nassbereiche beispielsweise mit IPX7 bzw. IPX5 angegeben sind.

Was bedeuten die Ziffern beim IK-Schutzgrad?

SchutzartSchutz bis zu einer Schlagenergie von
IK00Keine Stoßfestigkeit
IK010,14 Joule
IK020,20 Joule
IK030,35 Joule
IK040,50 Joule
IK050,70 Joule
IK061,0 Joule
IK072,0 Joule
IK085,0 Joule
IK0910 Joule
IK1020 Joule

Info: Zu Einordnung der Schlagenergie können Sie die Leistung eines elektrischen Bohrhammers zu Hilfe nehmen. Er benötigt zum Beispiel ca. 2–3 Joule zum Bohren in harten Materialien, 2–5 Joule zum Meißeln und Stemmen sowie zum Fliesen abtragen. Mit einer Leistung von 10 Joule lassen sich leichte Wände, mit 20 Joule stärkere Wände abbrechen.

Ein Bohrhammer benötigt ca. 20 Joule, um stärkere Wände abzubrechen © - HEIMAT -, stock.adobe.com
Ein Bohrhammer benötigt ca. 20 Joule, um stärkere Wände abzubrechen © – HEIMAT -, stock.adobe.com

Was bedeutet der Begriff Schutzklasse?

Die Schutzklasse gibt an, welche installationstechnischen Maßnahmen (wie Schutzleiter, Isolationen, Niederspannung) vor den schädlichen Auswirkungen beim Kontakt mit spannungsführenden Bauteilen schützen. Sie erkennen die Schutzklasse durch ein auf dem Typenschild angegebenes Symbol oder die darauf sichtbare römische Zahl. Insgesamt gibt es vier Schutzklassen:

Schutzklasse 0: Das Gerät hat keine Schutzmaßnahmen und sollte nur an einer isolierten Spannungsquelle betrieben werden. Es gibt kein Symbol für diese Klasse. In Deutschland dürfen Geräte mit dieser Schutzklasse nicht betrieben werden.

Schutzklasse I: Das elektrische Betriebsmittel verfügt über einen Schutzleiteranschluss, der sein Gehäuse mit dem Erdpotential verbindet. Bei einem Isolationsfehler löst der Fehlerstrom die Sicherung oder den Fehlerstromschutzschalter in der Anlage aus und schaltet die Stromzufuhr ab. Das Symbol ist ein Kreis mit einem umgekehrten „T“ und zwei Querstrichen darunter.

Schutzklasse II: Das elektrische Betriebsmittel hat eine verstärkte oder doppelte Isolierung, welche das Gehäuse sowie alle berührbaren Teile von spannungsführenden Elementen trennt. Es gibt keinen Schutzleiteranschluss. Das Symbol ist ein Quadrat in einem Quadrat.

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Schutzklasse III: Das Gerät wird mit einer Sicherheitskleinspannung (SELV = Safety Extra Low Voltage) oder Schutzkleinspannungen (PELV = Protective Extra Low Voltage) betrieben, die durch einen Sicherheitstransformator oder einen Akku erzeugt wird. Es gibt keinen Schutzleiteranschluss und keine Isolierung. Als Grenzwerte der Kleinspannungen wurden für Wechselspannung (AC) ≤ 50V und für Gleichspannung (DC) ≤ 120V definiert. Beispielsweise funktionieren viele LED-Leuchten mit Kleinspannung. Das Symbol ist eine römische III in einer Raute.

Anwendungsbeispiel: Bei Niederspannungsleuchten für den Außenbereich genügt die Schutzklasse III, jedoch wird ein hoher Schutzgrad wie IP65 benötigt, um die Funktion auch bei nassem Wetter und mechanischen Einflüssen aufrechtzuerhalten. Eine Leuchte mit der Schutzklasse II, die im Wohnbereich aufgestellt wird, benötigt nicht unbedingt einen Schutz gegen Wasser. Hier könnte ein IP20 (Schutz gegen das Berühren mit dem Finger) bereits ausreichend sein.

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Fazit: Schutzgrad und Schutzklasse – besonders wichtig bei Anlagen im Außenbereich und in Feuchträumen

Für Verbraucher und beim Kauf fertiger Produkte spielen die vorgestellten Informationen speziell dann eine Rolle, wenn Sie eine Beleuchtung oder elektrische Ausstattung für den Außenbereich oder für Feuchträume wie Bad und Küche planen. Die Sicherheitsnormen bezüglich der konstruktiven Sicherheitsmaßnahmen sind in Deutschland sehr streng und schützen Sie automatisch vor Produkten, die ein Gefahrenpotenzial aufweisen könnten. Lassen Sie sich bei Installationen elektrischer Anlagen von einem Meisterbetrieb unterstützen, um die passenden Schutzmaßnahmen auszuwählen.

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