Schnitt von Obstbäumen und Sträuchern

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Obstbäume und Beerensträucher, aber auch Wein und Kiwi tragen größere, gesündere und mehr Früchte, wenn regelmäßig ein gezielter Schnitt an den Pflanzen vorgenommen wird. Dabei gibt es einige spezielle Vorgehensweisen bei bestimmten Sorten zu beachten, die Sie in unseren weiteren Beiträgen für Wein, Äpfeln, Birnen und weiteren einzelnen Obstsorten nachlesen können. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr zu den Grundsätzen beim Obstbaumschnitt und worauf unabhängig von der jeweiligen Sorte zu achten ist.

Dieser Apfelbaum hat eine weit ausladende Krone. Er könnte einen leichten Instandhaltungsschnitt vertragen, um die Bildung größerer und gesünderer Früchte anzuregen © waechter-media.de, stock.adobe.com
Dieser Apfelbaum hat eine weit ausladende Krone. Er könnte einen leichten Instandhaltungsschnitt vertragen, um die Bildung größerer und gesünderer Früchte anzuregen © waechter-media.de, stock.adobe.com

Welche Werkzeuge benötigen Sie zum Schnitt von Obstbäumen und Sträuchern?

Für den Obstbäumen sowie den Schnitt von Beerensträuchern oder Wein benötigen Sie folgende Werkzeuge:

  • Hippe (sehr scharfes Messer mit gebogener Klinge)
  • Astschere (Amboßschere oder Bypassschere)
  • Hochentaster
  • Säge
  • Teleskopbaumschere, Teleskopbaumsäge
  • eventuell Baumwachs zum Verschließen von Schnittwunden

Die Schnittwerkzeuge sollten immer scharf geschliffen sein. Das erleichtert Ihnen einerseits die Arbeit und hinterlässt später einen sauberen Schnitt. Dieser heilt problemloser und schneller wieder ab. Das ist wichtig, damit die Keime von Pflanzenkrankheiten nicht in das Holz eindringen können.

Reinigen Sie die Werkzeuge nach jeder Benutzung gründlich. Dies sollten Sie auch tun, bevor Sie mit Ihrer. Arbeit zum nächsten Baum bzw. zur nächsten Pflanze wechseln. Halten Sie das Werkzeug keimfrei, indem Sie es mit einem mit Brennspiritus befeuchteten Lappen abwischen. So vermeiden Sie die unbeabsichtigte Übertragung von Pflanzenkrankheiten wie Mehltau oder Pilzen. Diese Maßnahme ist besonders wichtig, wenn Sie erkrankte Pflanzenteile auslichten.

Gut geschärfte Schnittwerkzeuge erleichtern Ihre Arbeit und hinterlassen saubere Schnittkanten. Achten Sie beim Obstbaumschnitt immer darauf, diese Werkzeuge regelmäßig mit Brennspiritus zu desinfizieren © ueuaphoto, stock.adobe.com
Gut geschärfte Schnittwerkzeuge erleichtern Ihre Arbeit und hinterlassen saubere Schnittkanten. Achten Sie beim Obstbaumschnitt immer darauf, diese Werkzeuge regelmäßig mit Brennspiritus zu desinfizieren © ueuaphoto, stock.adobe.com

Denken Sie bei diesen Arbeiten auch an den Arbeitsschutz und rüsten Sie sich entsprechend aus:

  • Handschuhe (mit Schnittschutz)
  • nach Möglichkeit Schnittschutzstiefel, auf alle Fälle festes und trittsicheres Schuhwerk
  • Schutzbrille (bei älterem oder abgestorbenem Holz können sich beim Sägen oder Schneiden kleine Stückchen lösen und mit hoher Geschwindigkeit abspringen)
  • beim Ausästen über Kopf ist ein Helm mit Visier sinnvoll
  • wenn Sie eine Motorsäge benutzen, benötigen Sie eine komplette Schutzausrüstung mit Schnittschutz-Kleidung, Helm, Gehörschutz und Schnittschutz-Handschuhen
Beim Umgang mit einer Motorsäge bewahren Sie Schutzkleidung, Helm und Handschuhe vor schlimmen Unfällen © Superingo, stock.adobe.com
Beim Umgang mit einer Motorsäge bewahren Sie Schutzkleidung, Helm und Handschuhe vor schlimmen Unfällen © Superingo, stock.adobe.com
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Welchen Zweck erfüllt der Obstbaumschnitt?

Der Obstbaumschnitt kann je nach Zeitpunkt verschiedene Funktionen erfüllen. Beim Pflanzen schneiden Sie die Krone und eventuell auch die Wurzeln des jungen Baums oder Strauchs zurück, um das Wachstum anzuregen.

Junge Pflanzen können darüber hinaus ein Erziehungsschnitt erhalten, mit dem Sie die Form und Größe der Krone sowie die Anzahl der Leitäste bestimmen. Er wird ausschließlich bei jungen Pflanzen in den ersten ein bis zwei Jahren nach dem Pflanzen ausgeführt. Dabei lassen sich folgende Grundformen erzielen:

  • rundlicher Buschbaum
  • Viertelstamm
  • Halbstamm
  • Hochstamm
  • Spalierbaum
  • Niedriger Spindelbusch

Der Erziehungsschnitt wird außerhalb der Frostperioden durchgeführt. Am besten eignet sich dafür die Zeit im Spätwinter oder vor Beginn des Frühlings. Wichtig dabei ist, dass das Wachstum der Pflanzen ruht. Außerdem sollte an diesem Tag kein Frost herrschen.

Der regelmäßige Schnitt Ihrer Obstbäume und Sträucher erhält die Pflanzengesundheit und kann den Ertrag steigern © triocean, stock.adobe.com
Der regelmäßige Schnitt Ihrer Obstbäume und Sträucher erhält die Pflanzengesundheit und kann den Ertrag steigern © triocean, stock.adobe.com

Instandhaltungsschnitt

Beim Instandhaltungsschnitt lichten Sie die Krone der Obstgehölze aus, kürzen zu lange Äste und entfernen abgestorbenes oder krankes Material. Bei einer guten Durchlüftung können sich Pflanzenkrankheiten weniger gut ansiedeln. Außerdem reifen die Früchte besser und werden größer, wenn die Krone nicht zu ausladend und dicht wird. Dieser Schnitt wird alle 2–3, maximal alle 5–6 Jahre durchgeführt. Die günstigste Zeit für den Instandhaltungsschnitt ist für die meisten Obstsorten nach der Ernte und vor der Winterruhe. In unseren Breitengraden wären das die Monate Juli oder August bis Oktober. In dieser Zeit können Sie auch Veredelungen durch Aufpfropfen oder Okulation durchführen.

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Verjüngungsschnitt

Bei älteren oder über lange Zeit vernachlässigten Obstbäumen lässt sich ein Verjüngungsschnitt durchführen. Dies funktioniert allerdings nicht bei allen Sorten, denn einige ältere Obstbäume würden bei einem radikalen Rückschnitt eingehen. Er eignet sich daher vor allem für Kernobstsorten wie Äpfel oder Birnen. Bei diesem Schnitt werden die Haupt- oder Leitäste an der Basis kurz hinter der Stelle, an der sie vom Stamm abzweigen, abgeschnitten. Einige Sorten wie Edelkastanien oder Feigen vertragen auch einen radikalen Rückschnitt, bei dem der Stamm 10–15 cm über dem Boden abgesägt wird.

Hinweis: Falls Sie von Pilzen oder anderen Pflanzenkrankheiten befallene Teile Ihrer Obstgehölze entfernen, entsorgen Sie diese sorgfältig und keinesfalls auf Ihrem Kompost. Geben Sie diese Teile entweder in den Müll (nach Möglichkeit nicht in den Bio-Müll) oder verbrennen Sie das Holz. Einige Pflanzenkrankheiten, wie zum Beispiel der gefürchtete Feuerbrand, sind meldepflichtig. Halten Sie sich möglichst auch daran, um der Ausbreitung dieses Erregers entgegenzuwirken.

Wie sollten Sie Obstbäume schneiden?

Um das Wachstum der Obstgehölze nach dem Pflanzen anzuregen, ist häufig ein sehr starker Rückschnitt nötig. Dabei werden die Äste um ca. zwei Drittel gekürzt. Auch die Wurzeln (bei einer wurzelnackten Pflanze) werden ebenfalls um ein bis zwei Drittel gekürzt, bevor die Pflanze in die Erde kommt.

Beim Instandhaltungsschnitt gehen Sie wie folgt vor:

  • entfernen Sie alle Äste, die ins Innere der Krone gerichtet sind
  • schneiden Sie Äste, die sich überkreuzen, zurück
  • lichten Sie zu dichte Bündel von Zweigen aus
  • entfernen Sie Wasserschosser (das sind schlanke Äste ohne Verzweigungen, die senkrecht nach oben wachsen und schnell sehr hoch werden), indem Sie diese direkt am Stamm abschneiden
Hier sehen Sie, wie Wasserschosser an einem Obstbaum entfernt werden © ueuaphoto, stock.adobe.com
Hier sehen Sie, wie Wasserschosser an einem Obstbaum entfernt werden © ueuaphoto, stock.adobe.com
  • abgestorbenes oder krankes Holz wird großzügig herausgeschnitten (bis ins gesunde Holz)
  • schneiden Sie die Äste immer ca. 2 mm über einem nach außen gerichteten Auge (Knospe) ab
  • glätten Sie nach dem Entfernen von dickeren Ästen die Schnittkanten der Rinde mit einem scharfen Messer und verschließen Sie die Wunde mit Baumwachs
  • stärkere Äste sollte man immer bis zum Astring einkürzen, es sollte kein Stummel stehen bleiben – dieser stirbt ohnehin ab und würde einen perfekten Nährboden für Pilze und Pflanzenkrankheiten bieten

Außerdem können Sie bei diesem Schnitt die gesamte Form der Krone korrigieren und Leitäste sowie auch die Nebenäste zurückschneiden. Lassen Sie dabei immer einige Augen bzw. Knospen stehen, da die betreffenden Äste sonst absterben würden. Setzen Sie den Schnitt immer schräg über einem nach außen gerichteten Auge an.

Tipp: Achten Sie beim Abschneiden von dickeren Ästen auf eine glatte Schnittfläche, die leicht schräg ausgerichtet sein sollte. So kann das Regenwasser später besser abfließen. Es bildet sich keine Staunässe, welche Fäulnis und den Befall von Pilzen begünstigen würde.

Für die Veredelung Ihres Apfelbaums können Sie Edelreiser im Fachhandel beziehen oder von Bäumen in Ihrer Umgebung schneiden. Fragen Sie die Besitzer vorher – die Entnahme von ein oder zwei kleinen Ästen ist sicher kein Problem © REMINDFILMS, stock.adobe.com
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