Grundstück begradigen: Das kommt auf Bauherren zu

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Der Kauf eines Grundstücks ist die Basis für den Bau des späteren Eigenheims. Doch bis wirklich gebaut werden kann, sind oft einige Vorarbeiten nötig. Besonders wer ein Grundstück am Hang erwirbt, muss Aufwand und Kosten einer notwendigen Begradigung berücksichtigen.

Dass Hanggrundstücke oft günstiger zu haben sind als ein Grundstück in der Ebene, hat einen triftigen Grund. Die Bebauung ist meist deutlich aufwendiger und entsprechend kostenintensiver. Wer ein Haus bauen möchte, sollte deshalb bei seiner Kalkulation berücksichtigen, dass die möglichen Einsparungen für ein günstiges Hanggrundstück durch die höheren Baukosten schnell wieder ausgeglichen sind und der Bau insgesamt sogar meistens teurer wird.

Die Bebauung eines Hanggrundstücks kann sehr anspruchsvoll und kostenintensiv sein © fotoak80, stock.adobe.com
Die Bebauung eines Hanggrundstücks kann sehr anspruchsvoll und kostenintensiv sein © fotoak80, stock.adobe.com

Allerdings gibt es dennoch gute Gründe, sich ein Grundstück am Hang zu kaufen. Zum einen sind bebaubare Grundstücke in der aktuellen Marktsituation bekanntlich Mangelware, sodass sich Bauherren in vielen Regionen Deutschlands schon freuen dürften, überhaupt ein Grundstück zu bekommen. Anderseits kann das Hanggrundstück aus landschaftlicher und architektonischer Sicht durchaus einen besonderen Reiz für Bauherren bieten. Etwa, wenn einem die erhöhte Lage des Grundstücks einen schönen Ausblick über Dächer hinweg auf die umliegende Landschaft ermöglicht.

Begradigung des Grundstücks kann teurer werden

Vor der Bebauung eines solchen Grundstücks ist die Begradigung der Fläche notwendig (auch Nivellierung genannt). Denn nur eine ebene Fläche bietet ein solides Fundament für die Bodenplatte des Hauses. Wie aufwendig die auszuführende Begradigung ist, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sind der Neigungswinkel des Hangs, die Größe der herzustellenden ebenen Fläche sowie die Beschaffenheit des Bodens hinsichtlich Konsistenz, Tragfähigkeit und Wasserdurchlässigkeit.

Grundstück begradigen: auf diese Faktoren kommt es an
Grundstück begradigen: auf diese Faktoren kommt es an

Hinweis: Ein Grundstück darf nur als Baufläche ausgewiesen werden, wenn es tatsächlich die Voraussetzungen erfüllt, hier zu bauen. Nähere Informationen erhalten Interessenten beim Eigentümer bzw. den Gemeinden.

Die Grundstücksbegradigung im Hang kann deshalb je nach den Gegebenheiten ein sehr aufwendiges Unterfangen werden, dessen Kosten sich schnell auf einige tausende Euro belaufen können. Gerade im Hinblick auf die zuletzt stark gestiegenen Kosten am Bau für Handwerkerstunden und Materialpreise müssen Auftraggeber hier eventuell sogar mit fünfstelligen Beträgen rechnen. Neben den Arbeitsstunden fallen zum Beispiel auch Kosten für die Abfuhr des Erdaushubs und Materialien für die Begradigung an.

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Messungen und Gutachten für Planung und Kalkulation

Allerdings ist es sinnvoll Fachleute heranzuziehen, damit das Fundament später tatsächlich auf einer ebenen Fläche errichtet werden kann und hier keine Schwachstellen für die Stabilität des Gebäudes entstehen. Schon bei der Planung können einem die Experten helfen, weil sie zum Beispiel über moderne Geräte wie Laser verfügen, um fachkundige Messungen im Hang zu Höhen und Neigungswinkel durchführen zu können. Nur mit exakten Daten lassen sich Aufwand und Kosten der Begradigung realistisch kalkulieren.

Das Bodengutachten, das von einem Sachverständigen durchgeführt wird, gibt zudem Aufschluss über die erforderlichen Erdarbeiten. Je nach Beschaffenheit kann sich die Arbeit bei einem härteren und steinigen Boden aufwendiger gestalten. Unterschieden wird dabei zwischen nichtbindigem Boden, wie etwa Fels, Kies und Sand sowie bindigem Boden, wie etwa lehm- und tonartige Erde.

Je nach Bodentyp des Grundstücks gestalten sich die erforderlichen Erdarbeiten unterschiedlich © Pixel-Shot, stock.adobe.com
Je nach Bodentyp des Grundstücks gestalten sich die erforderlichen Erdarbeiten unterschiedlich © Pixel-Shot, stock.adobe.com

Einschränkungen für die Begradigung

Die geplante Begradigung muss allerdings im Einklang mit der geltenden Landesbauordnung und dem Bebauungsplan für das Grundstück stattfinden. Hier kann es durchaus Einschränkungen geben. So schreibt etwa § 909 BGB vor, dass die Stabilität des Nachbargrundstücks durch die Arbeiten nicht gefährdet werden darf. Zudem sind größere Aufschüttungen und Ausgrabungen im Zusammenhang mit baulichen Anlagen nach den Landesbauordnungen genehmigungspflichtig.

Je nach Beschaffenheit des Grundstücks ist es nicht immer möglich, den kompletten Hang zu nivellieren. Dies ist aber gerade bei größeren Grundstücken auch nicht unbedingt erforderlich. So lassen sich für zum Haus angrenzende Gärten auch andere Lösungen finden. Zum Beispiel können über Treppen oder Terrassen verschiedenen Ebenen im Grundstück auch ohne eine vollständige Nivellierung erreicht werden. Wichtig ist nur, dass auf diesen Flächen dann keine Bauwerke entstehen, die ein stabiles Fundament benötigen.

Tipp: Mit einem Gartenbauer können Bauherren ein mögliches Konzept für die Außengestaltung eines Hanggrundstücks entwickeln und vom Fachmann umsetzen lassen.

Über Treppen miteinander verbundene Terrassen sind nicht nur praktisch, um den Garten eines Hanggrundstücks zu nutzen, sondern können auch optisch sehr ansprechend sein © blickwinkel2511, stock.adobe.com
Über Treppen miteinander verbundene Terrassen sind nicht nur praktisch, um den Garten eines Hanggrundstücks zu nutzen, sondern können auch optisch sehr ansprechend sein © blickwinkel2511, stock.adobe.com

Erde abtragen und aufschütten

Für die Fläche, auf der das Haus errichtet werden soll, wird üblicherweise ein Einschnitt im Hang gemacht und die Erde abgetragen. Die Menge des Abtrags ist dabei abhängig vom Neigungswinkel und der Größe der geplanten Fläche. Zur Talseite muss hingegen aufgeschüttet werden, um ein ebenes Gelände zu schaffen. Bestenfalls kann ein Großteil des am Hang abgetragenen Aushubs zur Einebnung wiederverwendet werden, sodass weniger Erdaushub von der Baustelle abtransportiert werden muss. Das spart Kosten.

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Zur Ausführung werden die entsprechenden Maschinen benötigt. Auch hier ist es natürlich komfortabel, auf Fachfirmen zurückgreifen zu können, die für die Arbeiten entsprechend ausgestattet sind. Für kleine oder unterstützende Arbeiten lassen sich entsprechende Werkzeuge und Maschinen auch ausleihen. Mietservices sind inzwischen weitverbreitet und so sollten sich in den meisten Regionen heute entsprechende Anbieter finden. 

Ist der Hang sehr steil und damit die Nivellierung besonders anspruchsvoll oder durch einen Ausgleich der Ebenen nicht umsetzbar, wird das Haus in seltenen Fällen auf einer Stelzenkonstruktion gebaut.

3 Arten der Grundstücksnivellierung
3 Arten der Grundstücksnivellierung

Begradigung nicht nur bei Hanggrundstücken sinnvoll

Doch nicht nur bei einem Hanggrundstück kann eine Nivellierung erforderlich oder zumindest sinnvoll sein. Auch nicht am Hang befindliche Grundstücke können durchaus Unebenheiten wie kleine Hügel oder Gräben enthalten, die begradigt werden müssen. Ist der Aufwand nicht so hoch, lassen sich solche Arbeiten natürlich auch in Eigenregie umsetzen, wenn das nötige handwerkliche Geschick vorhanden ist oder Freunde und Bekannte mit entsprechenden Kenntnissen zur Verfügung stehen.

Vor Baubeginn musste hier der Boden zunächst begradigt werden © E. Adler, stock.adobe.com
Vor Baubeginn musste hier der Boden zunächst begradigt werden © E. Adler, stock.adobe.com

Zum Ausmessen der Neigungen und Höhen reichen dabei häufig schon einfache Hilfsmittel wie Schnüre oder Stäbe. Ganz kleine Arbeiten lassen sich zudem schon mit klassischen Werkzeugen wie Schaufeln und Schubkarren erledigen. Etwas größere elektrische Maschinen können gemietet werden, wie bereits beschrieben.

Der Ausgleich von kleinen Unebenheiten ist erforderlich, wenn es darum geht, die Bodenplatte auf dem Grundstück zu installieren. Allerdings kann die Nivellierung zum Beispiel auch beim Bau von Terrassen oder einer ebenen Spielwiese sinnvoll sein, etwa um Freizeitgeräte wie eine Schaukel auf ebener Fläche aufzubauen. Auch wenn es darum geht, weitere Anlagen wie ein Gartenhaus oder eine Garage zu errichten, kann die Begradigung nötig werden.

Fazit

Wie zu Beginn erwähnt, sollten sich Bauherren schon vor dem Kauf des Grundstücks darüber Gedanken machen, welcher Aufwand bei der Begradigung auf sie zukommt und die Kosten kalkulieren. Sonst könnte das vermeintliche Schnäppchen möglicherweise zu einem teuren Investment werden. 

Vermessungsingenieure führen sowohl im Auftrag von Ämtern als auch von Privatpersonen Vermessungen durch © Ingo Bartussek, stock.adobe.com
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