Estrichböden: Arten und Grundlagen

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Stabil, eben und meist unverzichtbar: Wenngleich inzwischen Estrich auch als finaler Bodenbelag immer beliebter wird, bleibt Estrich in den meisten Fällen in Haus und Wohnung unsichtbar. Als Untergrund für andere finale Bodenbeläge wie Fliesen, Teppich oder Laminat sorgt Estrich für eine ebene und gerade Fläche. Der den meisten bekannte klassische Zement-Estrich, der gerne als Untergrund für Bodenbeläge eingesetzt wird, ist eine spezielle Art von Beton. Dieser Baustoff, besteht in seiner Basisversion aus einem Gemisch aus Zement, Sand und Wasser. Allerdings ist das Verhältnis der Zutaten bei Estrich und klassischem Bau-Beton, der vielseitig einsetzbar ist, unterschiedlich und je nach Verwendungszweck werden auch zusätzliche Komponenten der Masse beigemischt.

Estrich ist in den meisten Fällen die Basis für den finalen Bodenbelag © anatoliy_gleb, stock.adobe.com
Estrich ist in den meisten Fällen die Basis für den finalen Bodenbelag © anatoliy_gleb, stock.adobe.com

Die im Estrich enthaltenen Steinchen sind wesentlich kleiner in ihrem Durchmesser. So ergibt sich später eine glattere Oberfläche. In Beton dagegen sind die enthaltenen Steine mitunter mehr als doppelt so groß. Dadurch erhöht sich die Stabilität, weshalb Beton ein breiteres Anwendungsspektrum hat als Estrich. Dennoch: Estrich ist innerhalb seiner Einsatzgebiete immer vielseitige geworden.

Immer öfter wird Estrich inzwischen auch als sichtbares Gestaltungselement eingesetzt. Dadurch rücken neben dem klassischen Zement-Estrich zunehmend andere Estrich-Arten in den Fokus, die durch ihre unterschiedliche Zusammensetzung auch sehr unterschiedliche Eigenschaften mitbringen, die je nach Einsatzort mehr oder weniger gut geeignet sind.

Haltbarkeit, Festigkeit oder auch Optik werden also durch die Zusammensetzung der Estrich-Mischung und zusätzliche Komponenten den Bedürfnissen des jeweiligen Bauvorhabens angepasst.

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Arten von Estrich

Auch, wenn Sie es sich nicht zutrauen, Estrich selbst zu verlegen, ist es sinnvoll, über die Unterschiede der Estricharten Bescheid zu wissen. Dadurch können Sie einer Fachfirma gezielter mitteilen, was Sie sich vorstellen und gezieltere Fragen stellen. Zunächst sollten Sie sich fragen, in welchem Bereich des Hauses Sie Estrich verlegen wollen. Denn allein schon die Frage, wo der Estrich später liegen soll, bestimmt darüber, welche Optionen bezüglich Materials und eventuell auch Optik Ihnen zur Verfügung stehen. Soll der Estrich als Untergrund dienen oder sichtbar sein? Soll er hohen Belastungen standhalten, Wasser vertragen oder zur Schall- und Wärmedämmung beitragen?

Die unterschiedlichen Estrich-Arten unterscheiden sich durch ihre Art der Anwendung und Verarbeitung und Verlegung und zum anderen durch ihre Zusammensetzung – die wiederum über die Eigenschaften bestimmt. Welche Verlegung und welche Zusammensetzung am besten geeignet sind, hängt also vom vorgesehenen Einsatzgebiet des Estrichs und den örtlichen Gegebenheiten ab.

Estrich kann unterschieden werden in seiner Beschaffenheit und deren Einfluss auf die Arbeitsweise bezüglich der Verlegung:

  • Trockenestrich: Diese vorgefertigten Estrichplatten werden als Fertigteile verlegt. Dabei verlegen Sie die Estrichplatten auf einer zuvor erstellten Tragschicht aus körnigem Material. Durch exaktes Ausmessen und Abziehen wird diese körnige Schicht nivelliert, sodass die Estrichplatten später eine ebene Fläche bilden.
  • Baustellenestrich: Diese mörtelartige Masse muss fachgerecht angemischt, aufgetragen und abgezogen werden und trocknen.
  • Fließestrich: Diese flüssige Estrich-Variante bildet von selbst eine glatte Oberfläche.
Nassestrich können Sie selbst verlegen, wenn Sie gut planen und sehr sorgfältig arbeiten © Ingo Bartussek, stock.adobe.com
Nassestrich selbst verlegen

Estrich selbst zu verlegen, ist machbar. Allerdings müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie bei der Verlegung von… weiterlesen

Besonders flüssiger Fließestrich bildet fast von selbst eine glatte Oberfläche © Parilov, stock.adobe.com
Besonders flüssiger Fließestrich bildet fast von selbst eine glatte Oberfläche © Parilov, stock.adobe.com

Estrich unterscheidet sich auch bezüglich der Art der Verlegung.

Hierbei spricht man von Verbundestrich, schwimmendem Estrich und Estrich auf Trennlage beziehungsweise Estrich auf Trennschicht.

  • Verbundestrich: Von Verbundestrich wird gesprochen, wenn der Estrich direkt mit dem Untergrund verbunden ist. Verbundestrich kommt in Räumen zum Einsatz, in denen keine Schall- und Wärmeisolierung nötig ist, aber hohe mechanische Belastungen des Bodens zu erwarten sind.
  • Schwimmender Estrich: Bei dieser Methode wird eine isolierende Trennschicht zwischen dem Estrich und dem Untergrund installiert. Dadurch wird eine bessere Schall- und Wärmedämmung erreicht.
  • Estrich auf Trennlage: Hier wird eine Folie oder Trennlage zwischen dem Estrich und dem Untergrund platziert. Dies ist besonders nützlich, wenn der Untergrund Feuchtigkeit abgeben kann, aber keine zusätzliche Wärme- und Schalldämmung erforderlich ist.

Estrich-Arten: Anwendungsbeispiele

In Bezug auf die Zusammensetzung des Estrichs wird anhand des Bindemittels unterschieden, welches später für sehr unterschiedliche Eigenschaften des Bodens sorgt.

  • Zementestrich
  • Anhydritestrich (auch Calciumsulfatestrich)
  • Gussasphaltestrich
  • Magnesiaestrich
  • Kunstharzestrich

Nicht jede Estrich-Mischung ist für jede Anwendung sinnvoll einsetzbar. Aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften sind beispielsweise manche Estricharten speziell oder nur eingeschränkt auch für den Außenbereich geeignet. Andere eignen sich ausschließlich für Innenräume. Im Wohnbereich sind Zementestrich und Anhydritestrich die am häufigsten eingesetzten Estricharten, aber auch andere Mischungen können innen wie außen Akzente setzen. Welcher Estrich kann also wofür verwendet werden? Ein Überblick.

Der Zementestrich ist eine der häufigsten verlegten Estricharten © Alekss, stock.adobe.com
Der Zementestrich ist eine der häufigsten verlegten Estricharten © Alekss, stock.adobe.com

Zementestrich:

Zementestrich wird als mörtelartige Masse aufgetragen und verteilt. Er wird also nass verlegt. Zementestrich ist vielseitig einsetzbar. Er ist besonders widerstandsfähig gegenüber Feuchtigkeit und hält auch großen Temperaturschwankungen gut Stand.  Weil Zementestrich so robust ist, eignet er sich für eine Vielzahl von Anwendungen:

  • Untergrund für Bodenbeläge: Ganz klassisch können Sie Zementestrich als Basis für Fliesen, Teppich, Holzdielen, Laminat oder andere Bodenbeläge verwenden.
  • Industrieböden: Aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit kommt Zementestrich in Fabriken und Lagerhallen zum Einsatz. Dort ist der Boden großen Belastungen ausgesetzt.
  • Böden im Außenbereich: Sowohl für Terrassen als auch Garagen oder Balkone kann Zementestrich eingesetzt werden.
  • Treppenkonstruktionen: Die Stabilität von Zementestrich erlaubt auch den Einsatz für ganze Treppenkonstruktionen.
  • Bodenreparatur: Zementestrich eignet sich gut zur Reparatur von kleinen Beschädigungen in vorhandenem Estrich.
  • kleinere Betonarbeiten: Da Zementestrich auch im Außenbereich verwendet werden kann und sehr stabil ist, ist er auch für kleine Fundamente oder andere kleine Betonstrukturen einsetzbar
  • Fußbodenheizung: Zementestrich kann auch bei Böden mit Fußbodenheizung verwendet werden, da er eine gute Wärmeleitfähigkeit besitzt. Als noch besser geeignet gilt hierfür allerdings Anhydritestrich.

Anhydritestrich: Anhydritestrich besteht hauptsächlich aus wasserfreiem Calciumsulfat. Dies verleiht dem Estrich seine selbstnivellierende Eigenschaft. Anhydritestrich wird auch als Fließestrich bezeichnet. Je nach den Anforderungen Ihres Bauprojekts können Sie dem Anhydritestrich auch Sand oder Kies beimischen. Die ebene und glatte Oberfläche entsteht bei Anhydritestrich ohne größeren Arbeitsaufwand, da er so flüssig ist, dass er sich von selbst glättet.

Fließestrich kommt gerne in Kombination mit einer Fußbodenheizung zum Einsatz © schulzfoto, stock.adobe.com
Fließestrich kommt gerne in Kombination mit einer Fußbodenheizung zum Einsatz © schulzfoto, stock.adobe.com

Die Trocknungszeit ist bei identischen Bedingungen kürzer als bei Zementestrich.

Anhydritestrich bietet also je in Abhängigkeit von den Anforderungen einige Vorteile, unter anderem auch eine sehr gute Wärmeleitfähigkeit und schalldämmende Wirkung. Dennoch gibt es auch einige Nachteile gegenüber Zementestrich, die vor dem Hintergrund der geplanten Verwendung abgewogen werden müssen:

  • Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit: Anhydritestrich kann bei direktem Kontakt mit Wasser aufquellen oder aufweichen. Daher muss während der Installation und Trocknung besondere Vorsicht im Hinblick auf Feuchtigkeitseintritt getroffen werden.
  • Festigkeit: Anhydritestrich ist in der Regel nicht so robust wie Zementestrich. Bei starken mechanischen Belastungen ist Anhydritestrich anfälliger für Beschädigungen.

Gussasphaltestrich: Gussasphaltestrich kann in oder an Wohngebäuden eingesetzt werden, beispielsweise für Nassräume, Terrassen oder Garagen allerdings ist das eher die Ausnahme. Diese spezielle Art von Estrich wird nicht auf Zement- oder Anhydritbasis hergestellt, sondern basiert auf Asphaltgranulat oder Asphaltmörtel, der mit Steinchen unterschiedlicher Korngröße, Füllstoffen und unter Umständen auch Bindemitteln gemischt wird. Diese Mischung ergibt eine sehr dichte, widerstandsfähige und feuchtigkeitsunempfindliche Schicht. Deshalb wird Gussasphaltestrich gerne in der Industrie eingesetzt, beispielsweise in Lagerhäusern oder Fabriken.

Sofern Gussasphaltestrich im Außenbereich von Wohngebäuden oder in Nassräumen verlegt werden soll, muss hierfür in der Regel eine Fachfirma beauftragt werden. Denn Gussasphaltestrich muss beim Auftragen eine Temperatur zwischen 220 und 250 Grad aufweisen. Das erfordert spezielles Gerät sowie fundierte Fach- und Materialkenntnisse. 

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Magnesiaestrich: Magnesiaestrich besteht aus Magnesiumchlorid und Zusätzen wie beispielsweise Holzspänen, Textilfasern oder Quarzsand. Magnesiaestrich an sich ist ein Flüssigestrich, allerdings sind auch Magnesiaestrichplatten unter dem Stichwort Magnesiaestrich erhältlich. Diese sind dann also eine Variante des Trockenstrichs.

Magnesiaestrich ist nicht wasserfest. Deshalb muss Magnesiaestrich versiegelt werden und sollte grundsätzlich nicht in feuchten Räumen, wie etwa dem Badezimmer, verlegt werden. Dieser Estrich gilt als besonders umweltfreundlich, schlagfest, schall- und wärmedämmend.

Kunstharzestrich: Kunstharzestrich wird nach einer zusätzlichen Beschichtung immer öfter als finaler Bodenbelag verwendet. Er dient also nicht nur als glatter gerader Untergrund für andere Bodenbeläge wie Fliesen, Teppich- oder Holzböden, sondern ist durch seine speziellen Eigenschaften selbst ein beliebter Bodenbelag – nicht nur für Räumlichkeiten mit besonderen Anforderungen. Kunstharzestrich hat mittlerweile auch in moderne Wohnräume Einzug gehalten, da er sehr belastbar, pflegeleicht und in verschiedenen Farben erhältlich ist.  Der Hauptbestandteil von Kunstharzestrich ist Harz. Harz und Härter werden gemischt, wodurch eine sehr robuste und harte Oberfläche entsteht. Durch bestimmte Füllstoffe können die Eigenschaften noch angepasst werden. Beispielsweise kann die Oberfläche rutschfest gestaltet werden.

Durch die sehr glatte und wasserfeste Oberfläche ist Kunstharzestrich besonders gut geeignet für Räume, in denen besonders auf Hygiene geachtet werden muss, beispielsweise Betriebe, in denen Lebensmittel verarbeitet werden, Labore oder Krankenhäuser oder Lebensmittelverarbeitungsbetriebe.

Moderne Fußböden aus Sichtestrich sind mittlerweile sehr beliebt © Wilm Ihlenfeld, stock.adobe.com
Estrich als Gestaltungselement

Estrich ist im Wohnbereich nicht immer nur die unsichtbare Schicht unter dem Bodenbelag. Estrich kann in Innenräumen als gestalterisches Element… weiterlesen

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