Estrich und Feuchtigkeit

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Feuchtigkeit spielt in Bezug auf Estrich in mehrfacher Hinsicht eine Rolle. Erstens ist die Trocknungszeit von Baustellenestrich und Flüssigestrich eine wichtige Variable bei der Planung ihres Bauvorhabens. Zweitens ist es wichtig, die richtige Estrichart zu wählen, wenn der Boden später mit Feuchtigkeit in Kontakt kommen könnte. Drittens ist die Estrichart ebenso ausschlaggebend, wenn es um die Frage geht, wie schnell Estrich über eine Flache verteilt werden muss, damit die Fläche gleichmäßig trocknen kann, damit keine Spannungen und dadurch eventuell Risse entstehen. Feuchtigkeitsmanagement beginnt also im Grunde bereits bei den Überlegungen zur Wahl des passenden Estrichs für Ihr Bauvorhaben.

Tipp: Schon vor der Installation von Estrich kann es in Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten sinnvoll sein, den Feuchtigkeitsgehalt des Untergrunds zu überprüfen. Ist der Untergrund zu feucht, kann dies zu Estrichrissen, Ablösung und Schimmel führen. Aufsteigende Feuchtigkeit kann unter Umständen mit einer Feuchtigkeitssperre blockiert werden.

Frisch verlegter Estrich enthält sehr viel Feuchtigkeit, die zunächst entweichen muss, damit es später nicht zu Feuchtigkeitsschäden oder Probleme mit Schimmel kommt © schulzfoto, stock.adobe.com
Frisch verlegter Estrich enthält sehr viel Feuchtigkeit, die zunächst entweichen muss, damit es später nicht zu Feuchtigkeitsschäden oder Probleme mit Schimmel kommt © schulzfoto, stock.adobe.com

Trocknungszeit: Aushärten ist nicht gleich trocken

Sofern Sie keinen Trockenestrich verlegen, sondern auf Baustellen- oder Flüssigestrich setzen, muss dieser trocknen.  Das erfordert vor allem eines: Geduld. Wenn Sie die Estrichfläche belasten, bevor diese durchgetrocknet ist, wird sie beschädigt. Zudem ist es ein Unterschied, ob Sie den Estrich lediglich betreten oder mit einem Bodenbelag versehen wollen. Um beispielsweise Zementestrich zu betreten, reicht in Abhängigkeit der äußeren Umstände eine Trocknungszeit von fünf bis zehn Tagen bereits aus. Um aber einen Bodenbelag aufzubringen, muss der Estrich erst vollständig durchgetrocknet sein – und das heißt bei Zementestrich unter Umständen, dass Sie noch weitere zehn bis vierzehn Tage damit warten müssen.

Wann darf nun also was mit dem Estrich gemacht werden? Für Laien kann das verwirrend sein, weil das Aushärten der Masse als Trocknen missinterpretiert werden kann. Das Binden beziehungsweise Aushärten ist aber chemischen Prozessen geschuldet, nicht dem vollständigen Verdunsten von Wasser. Ausnahme: Magnesiaestrich. Bei dieser feuchtigkeitsempfindlichen Estrichart erhärtet die Schicht durch die Wasserverdunstung. Bei den anderen Estricharten wird zwischen Aushärten beziehungsweise Abbinden und Trocknen unterschieden. Deshalb ist auch festgewordener Estrich mitunter noch immer zu feucht, um bereits einen Bodenbelag aufzubringen. Es gibt also beim Estrich zwei Trocknungsphasen, die Sie im Hinterkopf behalten, unterscheiden und unbedingt beachten sollten. Tun Sie das nicht, riskieren Sie Risse oder Schimmelbildung.

Bodenbeläge dürfen erst dann auf Estrich installiert werden, wenn der Estrich durchgetrocknet ist © Kadmy, stock.adobe.com
Bodenbeläge dürfen erst dann auf Estrich installiert werden, wenn der Estrich durchgetrocknet ist © Kadmy, stock.adobe.com

Ausschlaggebend für die Wahl der Art des Estrichs ist in erster Linie der Zweck, den der Estrich erfüllen soll. Nachgelagert kann auf Ihre Entscheidung dann auch die Trocknungszeit einen Einfluss haben. Entsprechend entscheiden Sie sich dann entweder für Trockenestrich, Baustellenestrich oder Flüssigestrich. Während Sie nach dem Verlegen von Trockenestrich diesen schon nach wenigen Stunden belasten können, brauchen Baustellen- und Flüssigestrich mehrere Tage bis Wochen, um komplett durchzutrocknen.

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Welcher Estrich braucht wie lange?

Die Trocknungszeit von Estrich ist nicht nur abhängig von der Estrichart, sondern auch von den Bedingungen vor Ort sowie der Stärke der Estrichschicht. Die Unterschiede bezüglich der Trocknungszeit sind mitunter erheblich. Zwar kann aufgrund der unterschiedlichen äußeren Umstände wie Raumtemperatur, Belüftung und Luftfeuchtigkeit und Stärke der Estrichschicht nicht allgemein exakt angegeben werden, bei welcher Estrichart Sie womit, wie lange abwarten müssen. Jedoch können Sie sich an folgenden Mindest-Werten orientieren:

  • Zementestrich bindet ab, ist begehbar nach 5 bis 10 Tagen, trocken nach 21 Tagen
  • Anhydrit-Estrich härtet aus, ist begehbar nach 48 Stunden, trocken nach 28 Tagen
  • Kunstharz-Estrich härtet aus, ist begehbar nach 2 bis 3 Tagen, muss nicht trocknen
  • Gussasphaltestrich kühlt ab, begeh- und belastbar nach 2 bis 3 Stunden
  • Magnesiaestrich trocknet, begehbar nach 5 Tagen, trocken nach mindestens 14 Tagen

Diese Richtwerte dienen lediglich einer groben Orientierung. Es ist wichtig, dass Sie die Herstellerangaben genau lesen und überdies die Restfeuchte penibel kontrollieren, bevor Sie weitere Schritte unternehmen.

Schnellestrich: Der schnelltrocknende Estrich auf Zementbasis ist in der Handhabung sehr anspruchsvoll. Er bindet innerhalb von Minuten, kann nach zwei bis drei Stunden betreten und bereits nach ein bis zwei Tagen mit Bodenbelag versehen werden.  Für große Flächen ist Schnellestrich deshalb nicht geeignet und kein idealer Ersatz für normalen Zementestrich. Zudem kostet Schnellestrich ein Vielfaches von normalem Zementestrich. Sinnvoll kann Schnellestrich eingesetzt werden für kleinere Reparaturen und für Durchgangsräume mit kleinen Flächen oder Treppenabsätze. Für größere Flächen kommt Schnellestrich lediglich dann infrage, wenn Fachfirmen zügig vorankommen müssen, um den weiteren Fortgang der Arbeiten auf einer Baustelle nicht unnötig aufzuhalten. Hierbei ist allerdings absolut präzises, fachkundiges und sehr gut vorbereitetes Vorgehen gefragt.

Manchmal ist es notwendig, den Rohbau durch entsprechende technische Maßnahmen zu trocknen © schulzfoto, stock.adobe.com
Manchmal ist es notwendig, den Rohbau durch entsprechende technische Maßnahmen zu trocknen © schulzfoto, stock.adobe.com

Estrich schneller trocknen

Es ist wichtig, Geduld zu haben. Halten Sie die empfohlenen Trocknungszeiten ein, um eine qualitativ hochwertige Estrichoberfläche zu erhalten. Wenn Sie die Trocknungszeit beschleunigen wollen, können Sie die Bedingungen dafür optimieren. Aber: Eine beschleunigte Trocknung von Estrich muss sehr sorgfältig beobachtet werden, um potenzielle Probleme wie Rissbildung zu minimieren. Außerdem sollten Sie die empfohlenen Trocknungszeiten nicht zu stark verkürzen, da eine ausreichende Aushärtezeit für die Haltbarkeit entscheidend ist. Bei größeren Projekten ist es deshalb ratsam, Fachleute zurate zu ziehen.

Beschleunigen lässt sich die Trocknungszeit mit folgenden Maßnahmen:

  • Belüftung: Eine gute Belüftung kann helfen, die Feuchtigkeit aus dem Estrich schneller abzuführen. Öffnen Sie Fenster und Türen, um eine natürliche Belüftung zu fördern. Sie können auch Ventilatoren verwenden, um die Luftzirkulation zu verbessern.
  • Temperatur: Eine höhere Raumtemperatur beschleunigt die Trocknung von Estrich. Sie können tragbare Heizgeräte verwenden. Allerdings darf die Temperatur nicht zu hoch sein, um Rissbildung zu vermeiden.
  • Entfeuchter: Luftentfeuchter im Raum können ebenfalls dazu beitragen, die Luftfeuchtigkeit zu reduzieren und die Trocknung von Estrich zu beschleunigen.
  • Fußbodenheizung: Bei verlegter Fußbodenheizung kann diese nach einer ersten Aushärtephase zur Beschleunigung des Trocknungsvorgangs beitragen.

Achtung: Wenn die Oberfläche des Estrichs schneller trocknet als der Rest, kann dies zu Rissbildung führen. Um dies zu verhindern, können Sie bei Bedarf die Oberfläche leicht mit Wasser besprühen oder feuchte Tücher darüberlegen, um eine langsamere Trocknung der Oberfläche zu ermöglichen.

Einen Riss im Estrich können Sie reparieren © hanohiki, stock.adobe.com
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Rissarten in Estrichböden
Rissarten in Estrichböden

Feuchtigkeitsmessung von Estrich

Für die Überwachung der Trocknungsphase gibt es unterschiedliche Methoden. Es ist wichtig, den Estrich während der Trocknung genau im Auge zu behalten, damit Sie nicht zu früh damit beginnen, den Boden weiter zu bearbeiten und vermeiden, dass durch ungleichmäßige Trocknung Risse entstehen.

Wenn Sie die Feuchtigkeitsmessung im Estrich nicht ordnungsgemäß durchgeführten, können folgende Probleme auftreten:

  • Schäden am Bodenbelag: Wenn Sie einen Bodenbelag auf zu feuchtem Estrich installieren, kann der Bodenbelag sich mit der Zeit ablösen, Blasen bilden oder verfärben.  
  • Schimmel: Feuchter Estrich befördert Schimmelwachstum. Dies kann gesundheitliche Probleme verursachen und zudem den darauf liegenden Bodenbelag beschädigen.
  • Rissbildung: Hohe Feuchtigkeitswerte im Estrich können zu Spannungen führen, die zu Rissen im Estrich führen.
  • Verlust der Bodenbelagsgarantie: Die meisten Bodenbelaghersteller haben genaue Anforderungen an den Feuchtigkeitsgehalt des Estrichs, um Garantie für ihre Produkte zu gewährleisten. Wenn diese Anforderungen nicht erfüllt werden, kann die Garantie erlöschen.
  • Kosten für Reparaturen: Wenn nach der Installation eines Bodenbelags Probleme aufgrund von Feuchtigkeitsproblemen auftreten, können Reparaturen an Bodenbelag und Estrich erforderlich sein.
  • Geruchsentwicklung: Feuchter Estrich kann unangenehme Gerüche verursachen, insbesondere wenn sich Schimmel bildet.
  • Ästhetische Probleme: Feuchtigkeitsprobleme können auch Verfärbungen oder Flecken auf dem Bodenbelag verursachen.

Bei der Auswahl eines Bodenbelags kann es sinnvoll sein, einen Bodenbelag mit integriertem Feuchtigkeitsschutz zu wählen. Einige Bodenbeläge sind besser für feuchte Umgebungen geeignet und bieten eine zusätzliche Barriere gegen Feuchtigkeit.

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Methoden zur Feuchtigkeitsprüfung

Eine Feuchtigkeitsprüfung können Sie mit verschiedenen Methoden durchführen, um die Restfeuchte des Estrichs zu bestimmen. Welcher Estrich welche Restfeuchte haben darf, ist je nach Art des Estrichs unterschiedlich. Hierbei sollten Sie sich genau an den Vorgaben des Herstellers orientieren. Nur so können Sie sicherstellen, dass später keine Folgeschäden entstehen. Die gängigen Methoden zur Bestimmung der Restfeuchte sind die CM-Methode und die elektrische Messung.

Die genaueste Methode zur Messung der Restfeuchte in Estrich ist die CM-Methode © Anselm, stock.adobe.com
Die genaueste Methode zur Messung der Restfeuchte in Estrich ist die CM-Methode © Anselm, stock.adobe.com

Calciumcarbid-Methode (CM-Methode)

Die Calciumcarbid-Methode, auch als CM-Methode abgekürzt, basiert auf der chemischen Reaktion zwischen Calciumcarbid und Wasser. Dabei führen Sie einen kleinen Probenbehälter in den Estrichboden ein und füllen diesen mit Estrichmaterial.

Fügen Sie dann eine vorher genau abgemessene Menge an Calciumcarbid hinzu und setzen Sie den Deckel auf. Nun reagiert das Calciumcarbid mit der Feuchtigkeit im Estrich. Acetylen-Gas entsteht. Der Druck dieses Gases wird nun mit einem Manometer gemessen und in eine Feuchtigkeitsprozentzahl umgerechnet.

Die CM-Methode ist sehr genau, erfordert aber einige Fachkenntnis, penibles Arbeiten und spezielle Ausrüstung. Bei größeren Projekten lohnt es sich aber, diese Messung von einem Fachmann durchführen zu lassen, denn nur eine professionell durchgeführte Messung mit der CM-Methode hat unter Umständen dann auch im Streitfall vor Gericht Bestand.

Elektrische Feuchtemessgeräte:

Elektrische Feuchtemessgeräte gibt es in handlichen Größen zu erschwinglichen Preisen zu kaufen. Zwischen 50 und 150 EUR gibt es diese kleinen Helfer im Handel – deren Ergebnisse mitunter ungenauer sind als die einer Messung mit der CM-Methode. Dennoch kann ein solches Gerät gerade bei kleineren Bauprojekten gute Dienste leisten und ist für Laien wesentlich einfacher anwendbar.

Sofern Sie selbst nicht sicher im Umgang mit derlei Messungen sind, sollten Sie speziell bei größeren Projekten die Messung Fachleuten überlassen.  Denn in Hinblick auf die potenziellen Folgeschäden, die bei ungenauen Messungen entstehen können, lohnt sich diese Investition allemal. Hinzu kommt, dass einige Bodenbelaghersteller im Falle von Garantieansprüchen oder auch Versicherungen bei Schimmelbefall die Ergebnisse der Feuchtigkeitsprüfung nur akzeptieren, wenn sie von zertifizierten Fachleuten durchgeführt wurden.

Elektrische Feuchtigkeitsmessung ist eine einfache Methode für die Bestimmung der Restfeuchte im Estrich © JRJfin, stock.adobe.com
Elektrische Feuchtigkeitsmessung ist eine einfache Methode für die Bestimmung der Restfeuchte im Estrich © JRJfin, stock.adobe.com

Estrichabdichtung: Schutz vor Feuchtigkeit

Eine passende Estrichabdichtung kann sehr sinnvoll sein. Eine Estrichabdichtung schützt vor Feuchtigkeit und verlängert so die Lebensdauer des Estrichs und unter Umständen dadurch auch des darüber liegenden Bodenbelags. Zudem vereinfacht eine Estrichabdichtung die Reinigung, sofern auf dem Estrich kein Bodenbelag installiert ist.

Die Wahl der richtigen Estrichabdichtung hängt von den örtlichen Gegebenheiten, der Estrichart und der beabsichtigten Nutzung des Raums ab. Folgende Estrichabdichtungen stehen zur Verfügung:

  • Flüssige Abdichtungen und Versiegelungen: Diese oft transparenten Abdichtungen beziehungsweise Versiegelungen basieren auf Polymeren, Epoxidharzen, Polyurethanen oder anderen Materialien. Sie werden in flüssiger Form auf die Estrichoberfläche aufgetragen. Sinnvoll sind sie vor allem bei Beton- oder Steinestrichen.
  • Estrichzusatzmittel: Spezielle Zusatzstoffe im Estrichmörtel können die Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit verbessern.
  • Unterlagsmatten und Dichtungsbahnen: Unterlagsmatten oder -folien werden normalerweise zwischen dem Estrich und dem Bodenbelag installiert. Sie bieten zusätzlichen Schutz vor Feuchtigkeit und tragen mitunter auch zur Schalldämmung bei. Sie sind besonders nützlich bei Bodenbelägen wie Laminat, Parkett oder Vinyl.
  • Feuchtigkeitssperren: Feuchtigkeitssperren werden unter dem Estrich installiert. Sie verhindern das Aufsteigen von Feuchtigkeit aus dem Untergrund und werden häufig in Kellern und bei Bodenbelägen wie Fliesen oder Holz verwendet.

Sinnvoll ist eine Estrichabdichtung in folgenden Bereichen:

Grundsätzlich ist es kein Fehler, eine Fachfirma zu beauftragen oder zumindest professionellen Rat einzuholen, damit Sie keine Fehler beim Feuchtigkeitsmanagement begehen und lange Freude an ihrem Boden haben.

Nassestrich können Sie selbst verlegen, wenn Sie gut planen und sehr sorgfältig arbeiten © Ingo Bartussek, stock.adobe.com
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