Estrich: die passende Dämmung wählen

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Der richtige Bodenaufbau für eine gute Dämmung in Kombination mit Estrich ist eine Wissenschaft für sich. Denn es gibt keine allgemeingültige Antwort darauf, in welcher Reihenfolge welche Schichten aufeinanderfolgen müssen. Begriffe wie Dämmung, Trittschalldämmung, PE-Folie, Dampfsperre und Co. können schnell zu Verwirrung führen. Vor allem, wenn es darum geht, ob bei der Verlegung von Estrich all diese Schichten nötig sind und welche Schicht worauf aufgebaut werden darf, kann oder muss. Eine pauschale Richtlinie dafür gibt es auch nicht. Zu unterschiedlich sind die örtlichen Gegebenheiten, individuelle Pläne und Ansprüche an die Räume und Fußböden. Geht es um Trockenestrich oder Nassverlegung? Verwenden Sie Fließestrich? Ist eine Fußbodenheizung im Spiel? Liegt der Raum über einem Keller oder über einem beheizten Zimmer? Planen Sie Parkett, Teppichboden oder Fliesen? Alles das spielt eine Rolle, wenn Sie sich über die passende Dämmung für Ihren Fußboden Gedanken machen.

Ganz grundsätzlich lässt sich lediglich festhalten, dass je nach individuellen Anforderungen Feuchtigkeit, in Innenräumen zudem Kälte und Schall vermieden werden sollen. Deshalb sind zwischen der tragenden Struktur und dem Bodenbelag bestimmte Zwischenschichten sinnvoll, speziell im Innenbereich spielt neben der Feuchtigkeit die optimale Dämmung eine große Rolle.

Eine Dämmschicht unter dem Estrich reduziert Wärmeverlust und Schallübertragung © dima_pics, stock.adobe.com
Eine Dämmschicht unter dem Estrich reduziert Wärmeverlust und Schallübertragung © dima_pics, stock.adobe.com

Schwimmender Estrich: Die Vorteile

Eine Dämmschicht kann sowohl über als auch unter dem Estrich verlegt werden. Dabei erfüllt diese Schicht unterschiedliche Funktionen. Liegt die Dämmschicht unter dem Estrich, wird von „schwimmender Verlegung“ des Estrichs gesprochen. Im Gegensatz zum Verbundestrich liegt die Estrich-Schicht dabei also nicht direkt auf dem tragenden Boden, sondern auf einer Schicht aus dämmendem Material. Diese Dämmschicht entkoppelt so den Estrich von der darunter liegenden Struktur.

Zu unterscheiden ist dabei, ob es um Wärmedämmung, Schalldämmung oder beides geht. Nicht in jedem Raum ist jede Dämmung sinnvoll, ohnehin nicht im Außenbereich oder auch in Garagen. Über beheizten Wohnräumen wird auf eine Wärmedämmschicht in der Regel verzichtet, dafür ist eine gute Schalldämmung oft erwünscht. In Zimmern direkt über dem Erdreich oder kalten Kellerräumen oder beim Einbau einer Fußbodenheizung ist die schwimmende Verlegung auf einer Wärmedämmschicht dagegen wichtig – je nachdem, welche Estrich-Art Sie verlegen, um welchen Raum es sich handelt, wie dieser später genutzt und beheizt werden soll.

Die schwimmende Verlegung von Estrich bietet folgende Vorteile:

  • Schalldämmung: Weil der Estrich nicht direkt mit der darunter liegenden Struktur verbunden ist, wird mit einer darunterliegenden Dämmschicht die Schallübertragung vermindert. Besonders in Mehrfamilienhäusern ist das wichtig, um den Lärm zwischen den Etagen zu reduzieren. Wichtig: Für die Trittschalldämmung sind bei schwimmendem Estrich auch Randstreifen entlang der Wände relevant, die vor der Estrichverlegung angebracht werden. Dennoch ist eine zusätzliche Trittschalldämmung unter dem finalen Bodenbelag sinnvoll.
  • Wärmedämmung: Schwimmender Estrich trägt mit einer isolierenden Dämmschicht zur Wärmedämmung bei. So wird die Wärme besser im Raum gehalten. Das senkt die Energiekosten. Aber: Über beheizten Räumen ist Wärmedämmung nicht das Hauptanliegen der Dämmschicht. Über beheizten Räumen geht es bei der Dämmschicht in der Regel um Schalldämmung.
  • Feuchtigkeitsschutz: Aufsteigende Feuchtigkeit kann bei schwimmender Verlegung nicht in die darüber liegende Estrichschicht vordringen. Wichtig ist, dass nicht jedes Dämmmaterial automatisch vor Feuchtigkeit schützt und nicht jeder Feuchtigkeitsschutz dämmt. Je nachdem, welches Dämmmaterial Sie verwenden, brauchen Sie zusätzliche Folien als Dampfsperre beziehungsweise Feuchtigkeitsschutz.

Die Dämmschicht unter Estrich darf bei Belastung nicht zu nachgiebig sein. Ansonsten könnten sich vor allem in dünnere Estrichschichten bei zu großer Belastung Risse bilden. Gängige Dämmmaterialien sind deshalb Styropor oder Styrodur. Auch Mineralstoffplatten kommen infrage, Platten aus Holzfasern, Glaswolle oder Steinwolle. Alternativen sind Schüttungen, beispielsweise aus Perlit. Verdichtet zu einer stabilen Dämmschicht kann so eine Trockenschüttung unebene Böden auszugleichen und so einen belastbaren Untergrund für Nass- und Trockenestrich bieten, der überdies einen guten Wärme- und Trittschallschutz im Gepäck hat.

Typischer Aufbau eines Bodens mit Estrich
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Trittschalldämmung über oder unter Estrich?

In Neubauten oder Häusern, die komplett saniert werden, wird eine Trittschalldämmung gerne unter dem Estrich verlegt. Eine Trittschalldämmung über der Estrichschicht und unter harten Bodenbelägen ist zusätzlich dennoch sinnvoll. Während eine Dämmschicht unter dem Estrich, die eigentlich der Wärmedämmung dient, bereits einen gewissen Trittschallschutz als positiven Nebeneffekt bietet, ergänzen sich gerade beim Aufbau einer Fußbodenheizung ein zusätzlicher Trittschallschutz unter dem Estrich und ein Trittschallschutz unter dem finalen Bodenbelag optimal. Denn ein zu dicker Trittschallschutz zwischen finalem Bodenbelag und Heizestrich mindert nicht nur Geräusche, sondern hält auch die Wärme zurück, die eigentlich vom Fußboden aus in den Raum gelangen soll.

Wie dick eine Trittschalldämmung sein muss, hängt bei Parkett- oder Laminatfußböden von der Härte des Bodenbelags ab. Je härter das Material, desto dicker muss die Trittschalldämmung sein. Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings: Für sehr harte Parkettböden bräuchte es eine sehr dicke Trittschalldämmung – die dann aber bei einer installierten Fußbodenheizung nicht mehr genug Wärme durchlässt. Die zusätzliche Trittschalldämmung unter dem Estrich kann hier Abhilfe schaffen.

Trittschalldämmung zwischen Estrich und Bodenbelag ist speziell bei harten Bodenbelägen wie Parkett und Laminat sehr wichtig © Brilliant Eye, stock.adobe.com
Trittschalldämmung zwischen Estrich und Bodenbelag ist speziell bei harten Bodenbelägen wie Parkett und Laminat sehr wichtig © Brilliant Eye, stock.adobe.com

Weil Wärmedämmung unter Estrich ohne Fußbodenheizung über einem beheizten Raum nicht zwingend erforderlich ist, ist eine Trittschalldämmung in so einem Fall aber durchaus sinnvoll. Denn im darunterliegenden Zimmer wird dadurch der Geräuschpegel spürbar vermindert. Ob Sie also eine Wärme- und Schalldämmung unter dem Estrich installieren oder lediglich auf eine Trittschalldämmung unter dem finalen Bodenbelag setzen, hängt davon ab, wo sich der Raum innerhalb des Hauses befindet und welche Voraussetzungen gegeben sind.

Eine Trittschalldämmung unter Estrich wird auf der Wärmedämmung verlegt. Wenn Sie auf die zusätzliche Trittschalldämmung verzichten, müssen Sie vor dem Aufbringen des Estrichs eine Schutzfolie verlegen, um Feuchtigkeit fernzuhalten.

Tipp: Wenn Sie in vorhandenen Estrich eine Fußbodenheizung verlegen wollen, können Sie für die Rohe von einer Fachfirma Kanäle in den vorhandenen Estrich fräsen lassen. So müssen Sie den Estrich nicht herausreißen und die Einbußen in der Raumhöhe sowie die nötigen baulichen Anpassungen bleiben überschaubar.

Die spiralförmig befestigten Heizungsrohre werden später mit Fließestrich bedeckt © schulzfoto, stock.adobe.com
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Estrich ohne Dämmung verlegt – was nun?

Dämmung unter dem Estrich ­­– ja oder nein­? Manchmal beantwortet sich diese Frage ganz von selbst. Dann nämlich, wenn der Estrich in einem Bestandsgebäude bereits als Verbundestrich verlegt ist und der Aufwand, diesen komplett herauszureißen und mit darunterliegender Dämmung zu erneuern in keinem Verhältnis zum Nutzen stünde – vor allem, wenn der verlegte Estrich noch in einwandfreiem Zustand ist. Um dennoch keine kalten Füße zu bekommen und die Schalldämmung zu optimieren, haben Sie in diesem Fall zwei Möglichkeiten: Sie könnten auf dem vorhandenen Estrich eine Dämmschicht mit einer weiteren Estrichschicht aufbauen. Das ist allerdings mit zwei Nachteilen verbunden:

  • Einbuße der Raumhöhe
  • Eventuell aufwendige Anpassungen an Türzargen, Schwellen und bodentiefen Fenstern.

Denn wenn Sie weitere Schichten auf den vorhandenen Fußboden aufbauen, kann die Höhe des Bodens um mehrere Zentimeter anwachsen. Vor allem beim zusätzlichen Einbau einer Fußbodenheizung können das um die 9 Zentimeter sein. In diesem Fall können Sie darüber nachdenken, statt einer Kompletterneuerung oder eines Aufbaus auf den vorhandenen Estrich die Decke des darunterliegenden Raumes zu dämmen.

Dämmplatten für den Fußboden gibt es in unterschiedlicher Stärke © dima_pics, stock.adobe.com
Dämmplatten für den Fußboden gibt es in unterschiedlicher Stärke © dima_pics, stock.adobe.com

Was kostet Dämmung unter Estrich?

Die Kosten rein für das Dämmmaterial sind abhängig davon, welche Ansprüche Sie an dieses haben. Günstige Mehrzweckdämmplatten aus Styropor gibt es bereits für weniger als fünf Euro pro Quadratmeter, Bodendämmplatten aus Mineralwolle können mit rund 15 EUR pro Quadratmeter zu Buche schlagen. Besonders feste und dicke Dämmplatten können um die 30 EUR pro Quadratmeter kosten.

Welches Dämmmaterial für Ihr individuelles Vorhaben am besten geeignet ist, sollten Sie im Zweifelsfall mit Fachleuten besprechen. Wählen Sie beispielsweise zu weiche oder zu dünne Materialien, ist der Feuchtigkeitsschutz nicht richtig installiert oder passt die Estrichart nicht zum Dämmmaterial, ist dieses Problem im Nachhinein nur mit großem Aufwand und hohen Folgekosten zu beheben. Informieren Sie sich deshalb vorab eingehend und sehr gezielt in Hinblick auf Ihre speziellen Bedürfnisse.

Elektrische Feuchtigkeitsmessung ist eine einfache Methode für die Bestimmung der Restfeuchte im Estrich © JRJfin, stock.adobe.com
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